14. Europäische Fledermausnacht in Rostock
Batnight: Auf den Spuren geheimnisvoller Jäger der Nacht
29. August 2010, von Stefanie
Manche Bewohner Rostocks erscheinen schon recht eigenartig. Am Tage hängen sie kopfüber auf dunklen Dachböden ab und nachts, wenn alles schläft, kommen sie heraus um Insekten zu jagen. Mit etwas Aufmerksamkeit und Glück kann man sie dabei am sommerlichen Nachthimmel sogar beobachten. Allerdings wird es wohl bei flink vorbeihuschenden Silhouetten bleiben. Wirklich erkennen kann man sie, die Fledermäuse, so nur schwer.
Den Kindern vom Rostocker Rudi Rotbein Club, der Kindergruppe vom Naturschutzbund (NABU) Mittleres Mecklenburg, reichten diese Beobachtungen jedoch nicht. In der 14. Europäischen Fledermausnacht (European Bat Night) wollten sie sich am Samstag die geheimnisvollen Fledermäuse genauer betrachten. Mit der Unterstützung der Experten der Fachgruppe Fledermausschutz gelang es ihnen, die ansonsten so verborgen lebenden Tiere hautnah in Augenschein zu nehmen.

Doch bis es soweit war, mussten sich die jungen Fledermausfans noch etwas gedulden und auf die Dunkelheit warten. Gut, dass die Betreuer an ein paar lustige Spiele gedacht hatten, mit denen sie sich die Zeit vertreiben konnten. Danach wussten die Kinder auch gleich mehr über die Nahrung der Fledermäuse und auf welche Weise sie diese fangen.

Die nachtaktiven Jäger haben nämlich dafür eine ganz effektive Methode entwickelt: die Echoortung. Sie stoßen dabei Ultraschalllaute aus, die von Objekten reflektiert und von der Fledermaus wieder aufgenommen werden. Auf diese Weise sind sie in der Lage, ihre Beute oder Hindernisse zu orten.
Menschen können diese Fledermausrufe für gewöhnlich nicht wahrnehmen, da sie viel zu hoch sind. Aber zum Glück hatten die Fledermausfachleute Detektoren dabei, die die Ultraschallwellen in niedrigere, hörbare Frequenzen umwandeln. Weil sich die Fledermausarten in ihren Rufen unterscheiden, konnten die Exkursionsteilnehmer, als sie am Ufer der Warnow standen, mit diesen Geräten Abendsegler, Zwerg-, Mücken- und Breitflügelfledermäuse genau bestimmen.

Nun hatten die Kinder zwar Fledermäuse gehört, aber so richtig gesehen hatten sie noch keine. Mittlerweile war es auch schon dunkel geworden. Zeit fürs Bett? Nein, natürlich nicht. Das Spannendste stand ja noch bevor. Zu Beginn der Fledermausexkursion hatten Mitglieder der NABU-Fachgruppe nämlich große Netze über den Weg gespannt. „Wie feine Spinnenseide fühlt sich das an“, beschrieb der neunjährige Simon sehr interessiert das Material, aus dem die Falle bestand.
Sechs Fledermäuse hatten sich inzwischen darin verfangen. Jetzt wurden sie behutsam vermessen und bestimmt. „Alles Zwergfledermäuse“, lautete das abschließende Ergebnis der Untersuchung, bei der Fledermausexperte Henrik Pommeranz den neugierigen Kindern anschaulich die Besonderheiten des Körperbaus einer Fledermaus erläuterte.

Nachdem die kleinen nachtaktiven Kerlchen die Prozedur alle heil überstanden hatten, hieß es wieder: ab in die Freiheit. Die neunjährige Franziska, die schon lange leidenschaftlicher Fledermausfan ist, war überaus begeistert, als sie ein kleines Tier auf der Hand halten durfte, um es wieder fliegen zu lassen. „Die ist so weich und klein“, staunte sie, als die Zwergfledermaus ihre Hand schon verlassen hatte.
Als alle Fledermäuse schließlich in die Nacht entschwunden waren und sich vom Horizont ein grummelndes Gewitter zu nähern schien, hieß es auch für die Kinder vom Rostocker Rudi Rotbein Club die Fledermausnacht zu beenden und den Abflug ins Bett anzutreten.