Tschernobyl, das bedeutet übersetzt „dunkle schwarze Geschichte“. Und leider beschreiben diese Worte genau das, was sich am 26. April 1986 im Kernkraftwerk Tschernobyl ereignete. In Folge einer Kernschmelze und Explosion im Reaktorraum kam es zum Super-GAU. Bis heute gilt der Unfall als schwerste nukleare Havarie in der zivilen Nutzung der Atomkraft. Im April dieses Jahres jährt sich das Unglück bereits zum 25. Mal – und gerät zunehmend in Vergessenheit, insbesondere bei der jungen Generation, die die Zeit nicht selbst miterlebt hat.
Genau an dieser Stelle setzt die Ausstellung „25 Jahre nach Tschernobyl: Menschen – Orte - Solidarität“ an, die gestern Nachmittag in der Werkstattschule in Rostock eröffnet wurde. Vor allem junge Menschen sollen für das Thema Atomkraft sensibilisiert und die Öffentlichkeit informiert und aufgeklärt werden, um zu verhindern, dass das Unglück in Vergessenheit gerät.
Dabei ist den Ausstellungsmachern der persönliche Aspekt der Ausstellung besonders wichtig. Es geht nicht so sehr darum, alle Details des Unglückshergangs zu beleuchten, vielmehr soll das Schicksal der Menschen, die auch heute noch mit den Folgen zu kämpfen haben, in den Mittelpunkt gestellt und Solidarität geweckt werden.


Ursula Timm vom Verein Ferien für Kinder von Tschernobyl hob in ihren einleitenden Worten ebenfalls den persönlichen Aspekt der Ausstellung hervor: „Es geht nicht nur um die Erinnerung, sondern auch um die Verbundenheit mit den Menschen.“ Schließlich sind es von hier aus gerade einmal 1.400 km bis nach Tschernobyl – viel näher als es vielen wahrscheinlich bewusst ist.

So ein Mensch ist beispielsweise Dr. Helga Knopf, die an der Werkstattschule Physik unterrichtet und die sich mit dafür verantwortlich zeichnet, dass die Ausstellung in den Räumlichkeiten der Schule stattfindet. Im Rahmen ihres Unterrichts behandelt sie regelmäßig das Thema Kernphysik, wobei sie zu bedenken gab, „dass es nicht ausreicht, das Thema nur von der Physik her anzugehen, sondern auch von der Ethik.“

Wer die Ausstellung besuchen möchte, sollte sich beeilen, denn sie wird nur bis zum 25. Februar zu besichtigen sein.
Darüber hinaus haben die Veranstalter für jeden Tag weitere interessante Programmpunkte organisiert. So wird es heute den Film „Tschernobyl – der atomare Schrecken“ von Bernd Dost zu sehen geben, inklusiv anschließendem Filmgespräch. In den nächsten Tagen wird es einen Vortrag mit anschließender Diskussion über das Für und Wider zur Atomkraft, Berichte und Gespräche mit Zeitzeugen, eine Dokumentation zum Thema Atommüll und einen Nachmittag der Begegnung mit Tschernobyl-Initiativen aus Mecklenburg-Vorpommern geben. Der Eintritt ist übrigens kostenlos.