
Dass so viele den eisigen Temperaturen trotzten, überraschte viele positiv, denn bereits am Tag zuvor wurde bekannt, dass die Bundesregierung das Vertragswerk vorerst nicht unterzeichnet. Doch mit dieser Ankündigung gaben sich die Aktivisten nicht zufrieden. Sie wollen das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (Handelsabkommen zur Abwehr von Fälschungen) komplett „Ad Acta“ gelegt wissen.
Die Rostocker Studentin Gesine befürchtet, dass sonst das kreative Outlet verloren geht. „Für mich ist wichtig, dass Leute Fan-Videos zusammenschneiden dürfen, Passagen von Büchern und Filmen benutzen dürfen, ohne dass sie abgemahnt werden. Denn nur so kann sich das Wort verbreiten.“ Die 25-Jährige ist auf diese Weise selbst auf viele Sachen aufmerksam geworden, die sie nun unterstützt und die ihr Leben bereichern. „Ich habe Leute kennengelernt, nur dadurch, dass diese Angebote online auf Seiten wie Twitter, Tumblr oder Facebook unterwegs sind. Teilweise sogar mit dem Okay der Musiker selbst, ihre Werke zu verwenden, weil sie genau wissen, dass dadurch ihre Musik und ihr Name bekannter werden“, unterstreicht sie die Vorteile des freien digitalen Austauschs, den sie durch ACTA eingeschränkt sieht.
„Aber ist es nicht gut, dass Urheberrechte und Patente geschützt werden?“, fragte ein unbeteiligter Passant.
„Wenn mich eines an ACTA stört, dann dass es eigentlich eine verkappte Urheberrechtsdebatte ist, die wir aber ordentlich und transparent führen müssen“, kritisiert das Landtagsmitglied der Grünen Johannes Saalfeld in seinem Redebeitrag.

Die drei angehenden Biologinnen machen noch auf ein weiteres Problem aufmerksam, dass den Schutz von Patenten bei Medikamenten (Generika) und Saatgut betrifft. Sie befürchten, dass Forschung und Entwicklung mit ACTA eingeschränkt und verhindert werden könnten.

Dafür möchte sich Steffen Bockhahn, Bundestagsmitglied der Linken, einsetzen. Er versprach den Demonstranten, „gemeinsam mit anderen werde ich etwas unternehmen, um die Bundesregierung dazu zu verpflichten, ACTA nicht zu ratifizieren und es somit zu blockieren.“


Der Rostocker Datenkraken hat sich auch wieder unters Protestvolk gemischt 
Guy-Fawkes-Masken sind typisch für das Internetkollektiv Anonymous, durften aber gestern nicht vor dem Gesicht getragen werden 
Vor allem junge Menschen nahmen an der Demonstration gegen ACTA teil 
Stopp ACTA forderteren auch die Demonstranten in Rostock