
Schon bei meiner Ankunft am Peter-Weiss-Haus bekam ich fast einen Schrecken – der ganze Fußweg vor dem Eingang war mit Fahrrädern zugeparkt. Bevor ich jedoch ein schlechtes Gewissen bekommen konnte, dass ich etwa zu spät war und keinen Sitzplatz mehr abbekomme, kam auch schon die einleuchtende Erkenntnis: Der große Freigarten wurde zum Public Viewing genutzt und dank des (vermeintlich letzten) Deutschland-Spiels war der Andrang entsprechend groß.
Aber wen interessiert schon Fußball, wenn er drinnen eine Theaterpremiere erleben kann? ;-) Dieses Erlebnis konnte ich mir auf keinen Fall entgehen lassen und, um es schon einmal vorwegzunehmen, es hat sich auf jeden Fall gelohnt.
Den Räumlichkeiten entsprechend durften die ungeduldigen Theaterbesucher auf der Treppe im Eingangsbereich des Peter-Weiss-Hauses auf den Einlass warten. Wie sich später herausstellte, war dabei schon die zufällige Wahl des Programmheftes (es standen drei Farben zur Auswahl) von entscheidender Bedeutung. Davon ahnte man an der Kasse jedoch noch nichts.

Mit der Wahl des Programmheftes hatte sich das Publikum automatisch in drei Gruppen geteilt, welche jeweils einen Führer vom Volkstheater bekamen und von diesem in getrennte Säle des Peter-Weiss-Hauses eskortiert wurden.

Als dann plötzlich ein lautes Klopfen an der Tür die Stille durchbrach, zuckte schon der eine oder andere irritiert zusammen. Aber seien wir ehrlich, was haben wir denn erwartet? Dass „Berggasse 19: Die Couch“ kein normales Theaterstück seien würde, wie wir es gewohnt sind, war doch eigentlich längst klar.

Wer sich vorher nicht schon ausführlich über das Stück informiert hatte, erkannte das Prinzip nun während der Handlung recht schnell. Der leere Platz links neben mir, auf dem ein Notizbuch lag, stellte den Psychotherapeuten dar. Die Schauspieler, in dem Fall Eva Geiler, spielten die Patienten und erzählten in Monologen anschaulich von ihrem Leid.

Dieser setzte sich erst ungeduldig auf die gegenüberliegende Sitzreihe, kam dann herüber, drückte mir das bereits erwähnte Notizbuch in die Hand und setzte sich auf den freien Stuhl direkt zu meiner Linken. Viel Zeit, um darüber nachzudenken, gab es aber nicht, denn wenig später betrat schon der nächste Patient den Raum.


Ein wahrhaftes Meisterstück ist es letztlich in jeder Hinsicht geworden. Nach dem Triathlon für Schauspieler und Publikum kamen alle im großen Möckelsaal zusammen, um gebührend Beifall zu spenden. Weitere Aufführungen des Stücks finden am 25., 26. und 27. Juni jeweils um 20:00 Uhr ebenfalls im Peter-Weiss-Haus statt.
Vielen Dank auch an Stefanie, die diesmal die schönen Fotos für uns gemacht hat ;-)