
Ich erschien zwar schon 40 Minuten vor der Zeit in der Buchhandlung, doch waren schon etwas mehr als die Hälfte der 200 bereitgestellten Stühle von Fans des Künstlers in Beschlag genommen worden.


Die Idee zu einem Buch trug Lechtenbrink schon einige Jahre in sich. Immer mal wieder machte er sich seit frühester Jugend Notizen auf Zetteln. Darauf unterschiedlichste Begebenheiten, Anekdoten und Geschichten zu Künstlerkollegen, Prominenten und seinen Familienmitgliedern. Als er mit Intendant und Regisseur Jürgen Flimm in einem Auto im Stau feststeckte, wussten sich beide so Einiges an Anekdoten über künstlerische Weggenossen zu erzählen. Lechtenbrinks ehemalige Frau, Jeanette Arndt, riet ihm, sein Buch zu schreiben, was er dann auch in die Tat umsetzte. Herausgekommen sei dabei „ … eine Mischung aus Erinnerung und Biographie“, die nicht chronologisch geschrieben ist, dafür sprunghaft und temperamentvoll zu unterhalten weiß.
Der Einstieg ins Buch. Volker Lechtenbrink liest das Kapitel an, in dem es um seine Zeugung geht. Der Vater schwängert seine Ehefrau, um diese vor der drohenden Einberufung in eine Munitionsfabrik zu bewahren. Mit Erfolg. Am 18. August des Jahres 1944 erblickt ihr Sohn Volker das Licht der Welt. Zehn Tage später schon flieht die Familie aus Ostpreußen in Richtung Bremen.

Lechtenbrink schildert in Anekdoten seine Zeiten am Hamburger Johanneum und an der dortigen Hochschule für Musik und darstellende Kunst. In „Die Brücke“, einem Antikriegsfilm von Regisseur Bernhard Wicky, bekommt er seine erste Rolle in einem Film. Als Vorbild gibt Lechtenbrink Hansi Lothar an, mit dem er seinerzeit arbeiten durfte und der ihn stark beeindruckte. Als dieser mit 37 Jahren stirbt, steht für Volker Lechtenbrink fest, dass er auch nicht älter werden wolle. Mit immer geringer werdendem Abstand zu diesem Lebensalter, muss er allerdings erkennen, dass er doch sehr am Leben hängt und dies ist auch ein Grund, warum er seinen Mitmenschen so viel Freude bereitet. Hier ist Einer, der das Leben liebt und sich trotz Schwierigkeiten, immer wieder aufrafft, um weiterzumachen.
Seinen Familien oder besser seiner „Patchworkfamilie“ sind mehrere Kapitel gewidmet, in denen er von aufgetretenen Schwierigkeiten, wie zum Beispiel Scheidungen, erzählt und immer wieder das gemeinsam verbindende Element, die Nächstenliebe, beschwört.
In den folgenden Auszügen liest der Autobiograph bei Weiland von seinen Erlebnissen mit großen Schauspielkolleginnen und -kollegen. Er erzählt vom Aufeinandertreffen mit Robert de Niro, der ihn nur „Wolka“ nennt, und ihrem morgendlichen Ritual an zwei Balkonfenstern in einem New Yorker Hotel. Wie er als Entertainer der TV-Show „Life. Volker Lechtenbrink.“ Anthony Quinn als Interviewpartner gewinnen konnte und warum er Schauspielerin Nadja Tiller anfangs sehr schüchtern gegenüber trat. Von Lechtenbrink verehrte Kollegen wie Horst Frank, Walter Giller, Hildegard Knef, Monika Bleibtreu und Dirigent Horst Kleiber werden mit besonderer Aufmerksamkeit im Buch bedacht.
