
Dafür war die Begeisterung und der Andrang neugieriger Besucher kurz vor Beginn der Veranstaltung umso größer. Viele Gäste waren gekommen, um nicht nur die Lesung zu besuchen, sondern auch vor
allen anderen die nagelneuen Räumlichkeiten zu begutachten. Meine Befürchtung bezüglich des sauberen Teppichbodens schien sich allerdings nicht zu bestätigen – oder jedenfalls noch nicht.
Mit der hell erleuchteten Rolltreppe fährt der Gast bequem ins Obergeschoss, wo ihn inmitten der hohen Bücherregale bereits zur Hälfte gefüllte Sitzreihen erwarten. Bei einem kostenlosen Glas Wein, Saft oder Wasser lässt es sich entspannt umschauen und auf den Beginn der Lesung warten. Ich habe großes Glück und ergattere gerade noch einen Platz in der dritten Reihe, von wo aus man das Geschehen vorne ganz gut im Blick hat.

Zur Einleitung in sein aktuelles Buch erzählt er aus den 50er Jahren in den USA, von Marilyn Monroe und dem Scheitern ihrer Ehe, von der Gleichberechtigung der Frau in der DDR. Dass durch die Einführung der Pille zwar die Trennung von Lust und Vermehrung möglich wurde, das Maß von Glück und Unglück seit ihrer Popularität (und deren Folgen) allerdings gleich blieb.
Anschließend liest Hellmuth Karasek einige Kapitel aus seinem Buch „Ihr tausendfaches Weh und Ach – Was Männer von Frauen wollen“ vor. Dieses Werk ist laut Karasek ein „Rückblick auf die trostlose Verlustsituation“, die er früher mit Frauen erlebt habe. Es gäbe viele Parallelen zu seinem eigenen Leben, einiges wurde dabei aber umgeändert, meistens jedoch nicht zum Vorteil der Erzählerfigur.
Aus vielen Geschichten entsteht so eine einzige Geschichte über 50 Jahre Geschlechterkampf. Dass vor allem der Mann es an der Seite der emanzipierten aufstrebenden Frau nicht immer einfach hatte, wird schnell deutlich. Karasek schildert humorvoll seine Selbstversuche in der unbekannten Welt der Frauen,
Zum Abschluss der Lesung gibt er noch einen Witz zur Emanzipation der Frau zum Besten. Derzeit arbeitet Karasek an einem eigenen Buch über Witze, der Erscheinungstermin dieses Werkes ist allerdings noch unklar („hoffentlich noch zu Lebzeiten“). Laut Freud geben Witze Einblicke in verborgene Gedanken, Karasek sieht in ihnen vor allem den Zusammenhang mit aktuellen Problemen und Konflikten.
Nach der Lesung ist der Autor gern noch bereit („ein Autor macht nichts lieber“) seine Bücher zu signieren und Fragen der Leser individuell zu beantworten. Hinaus aus der wohligen Wärme geht es wieder rein ins nächtliche Schneetreiben, ein Ende des Unwetters ist wohl noch nicht abzusehen.