„China ist bunt, wirklich bunt und knallig“, so das Fazit von Janet Zeugner, die vor einiger Zeit für zwei Wochen dort verweilte.
Auf ihrer Reise durch Tsingtau, Beijing und Schanghai hat sie eine Menge Fotos gemacht und wieder daheim in Rostock in ihrer Dunkelkammer entwickelt. Die ersten Ergebnisse können nun bis zum 26. November in der Galerie Wolkenbank besichtigt werden.
Nun darf man von einer Fotografin natürlich keine simplen Urlaubsschnappschüsse erwarten. Von Janet Zeugner im Speziellen auch keine dokumentarischen Aufnahmen, wie sie in Hochglanzmagazinen zu finden sind.
Die Künstlerin hat sich der experimentellen Fotografie verschrieben. Gelernt hat die 1977 in Berlin geborene Diplom-Designerin ihr Handwerk an der Hochschule Wismar.

So entstehen Bilder, die eher an romantische Malereien erinnern, als an sachliche Dokumentation. Durch die Unschärfe entrücken dem Betrachter die abgebildeten Motive. Durch das relativ kleine Format ist er aufgefordert, nah heranzutreten und die Fotografien konzentriert anzuschauen. Immer wieder sind Menschen zu erkennen. Sie sind das Hauptsujet der Fotografin und werden teilweise nur sehr schemenhaft wiedergegeben. Die farbliche Verfremdung verstärkt den Eindruck eines vagen Gefühls aus der Vergangenheit. „Meine Hauptarbeit beschäftigt sich mit ‚Erinnerung‘“, erklärt Janet Zeugner, die ihre Arbeiten zu diesem Thema schon in mehreren deutschen Städten ausgestellt hat.

Das Fenster gebe es heute zwar nicht mehr, dennoch hat die westliche Architektur in Tsingtau unübersehbare Spuren hinterlassen. Obwohl die Hafenstadt mit über acht Millionen Einwohnern die Größe moderner europäischer Metropolen übersteigt, erscheint sie im Vergleich zu anderen chinesischen Großstädten eher traditionell, berichtet Janet Zeugner von ihren Eindrücken. „Für mich ist China eine neue Welt. Teilweise kommt es mir vor, als wenn ich in der Vergangenheit bin, so wie bei uns Ost und West während der Wendezeit. Andererseits ist es hochmodern. Da sind wir noch lange nicht.“

Aber auch Nähe und persönliche Beziehungen bildet die Fotografin ab. Ein Hochzeitspaar beispielsweise, das sich bei einer Massentrauung das Ja-Wort gegeben hat. Gleich 30 bis 40 Paare ließen sich von ihren Fotografen und deren Assistenten aufnehmen. Mitten hinein geraten drückt die deutsche Beobachterin ihren Auslöser. Auch als eine Mutter ihre Tochter fotografiert, stellt sie sich direkt daneben. „Eine absurde Situation“, erinnert sich Janet Zeugner. Als absurd mag eine Gruppe Chinesen auch die Faszination der Rostockerin für ein Huhn empfunden haben, das sich mit großer Selbstverständlichkeit frei auf der Straße in der Millionenstadt bewegte. Das Tier wurde auf einem Foto verewigt. Es wird die Fotografin wohl immer an die lachenden Chinesen hinter ihrem Rücken erinnern.

„Es ist ja noch nicht alles, was hier hängt. Man könnte immer wieder neue Sachen entdecken“, sagt Janet Zeugner und macht auf weitere Arbeiten neugierig.