
Neben dem Straßenverkehrslärm stellen sie auch die Lärmbelastung durch den Seehafen, die Straßenbahnlinien, bestimmte Gewerbebetriebe, wie die Brauerei und Energieerzeugungsanlagen, und anderen Lärmquellen dar. Auch die Belastung von Krankenhäusern und Schulen sei wegen ihrer besonderen Schutzwürdigkeit berücksichtigt worden, erklärt Hermann Lewke vom LUNG. Nicht mit eingeflossen in die Lärmkarten seien Gebiete, für die der Bund zuständig ist, wie die Bahnschienen oder der Seekanal. Auch Lärmquellen, für die es andere Verordnungen gibt, wie etwa für Sportstätten oder Diskotheken spielten hierbei keine Rolle.
Die Lautstärkepegel wurden in Tag- und Nachtwerte unterschieden und mit verschiedenen Farben auf der Karte markiert. Auch ihre Ursachen und die Anzahl der Betroffenen sind aus dem Material ablesbar.
Lärm beeinträchtigt Gesundheit und Bildungschancen
Die Lärmkarten sind Bestandteil der Umgebungslärmrichtlinie, die von der EU in Kraft gesetzt wurde, und werden alle fünf Jahre erstellt. Ziel ist es, auf dieser Grundlage Lärmschutzmaßnahmen zu ergreifen. Denn Lärm kann zu gesundheitlichen Schäden wie Herzinfarkt, Schlaf- und Kommunikationsstörungen oder bei Kindern zu Störungen in der sprachlichen Entwicklung führen. Auch Wertverlust von Bauland und Immobilien kann durch Lärm verursacht werden. Dies könne auch zu einem sozialen Problem werden, deutet Hermann Lewke an. Denn gerade dort, wo die Mieten lärmbedingt günstig seien, werden Schüler in ihrer Konzentration gestört und in ihren Bildungschancen benachteiligt.
Innerhalb eines Jahres will das Amt für Umweltschutz auf dieser Grundlage Lärmschutzmaßnahmen in einem Lärmaktionsplan entwickeln. „Es ist nicht so, dass wir jetzt erst anfangen. Bestimmte Sachen haben wir schon angeschoben. Man wird aber nicht erwarten können, dass wir alle Beeinträchtigungen mit Maßnahmen vermeiden können“, dämpft Gisela Neumann vom Amt für Umweltschutz die Hoffnungen. Das Hauptaugenmerk liege vielmehr auf den Schwerpunkten, dort wo die meisten Betroffenen wohnen und die dank der Karten gut erkennbar seien. Diese sollen zuerst abgearbeitet werden.
Auf der L22 stört der Lärm am meisten

„Die L22 ist natürlich eine Lärmquelle, die sich durch die Stadt wälzt“, sagt Hermann Lewke. Wegen ihrer Notwenigkeit sei durch planerische Maßnahmen jedoch nicht mehr viel machbar, man müsse sie dann schon verlegen oder untertunneln.
Weitere Problemstraßen seien die Lübecker Straße, die Parkstraße, Richard-Wagner-Straße, Dethardingstraße oder August-Bebel-Straße.
Mautverkehr konterkariert Lärmschutzmaßnahmen

Dem Lärm will das Amt für Umweltschutz gemeinsam mit anderen Ämtern und Beteiligten mit einem ganzen Maßnahmebündel den Garaus machen. Stadt der kurzen Wege, Stadt-Umland-Verbindungen verbessern, Fahrbahnbeläge, Optimierung der „Grünen Welle“, um Anfahrten zu vermeiden und - als ultima ratio - auch Lärmschutzwände, allerdings passen diese nicht so ins Stadtbild, zählt Steffen Nozon einige Ansätze auf.
Bürgerbeteiligung ab Herbst
Auch die Rostocker sollen sich an der Planung von Lärmminderungsmaßnahmen beteiligen können. Ab Herbst werden die Lärmkarten und ein erstes Maßnahmekonzept in mehreren Bürgerforen vorgestellt. Außerdem soll im Internet eine interaktive Seite eingerichtet werden, auf der sich die Besucher nicht nur die Karten anschauen, sondern auch schützenswerte Ruhezonen und Lärmkonflikte eintragen und Maßnahmen vorschlagen können.