

Als ich also am Freitagabend im nächtlichen Warnemünde ankomme, habe ich eigentlich fest mit lauten Schlagzeug- und Gitarrensounds aus den umliegenden Kneipen gerechnet. Stattdessen erwartet mich eine fast schon beängstigende Ruhe, die mich zweifeln lässt, ob die Veranstaltung überhaupt stattfindet. Dafür scheint am Strand noch einiges los zu sein. An der Strandoase feiern noch recht viele Besucher bei Glühwein und Lagerfeuer in die Nacht hinein, Musik aus den umstehenden Lautsprechern verbessert zusätzlich die Feierstimmung.
Leider ist die nächtliche Strandoase nicht mein eigentliches Ziel, sodass ich schweren Mutes wieder Richtung Leuchtturm ziehe. Mit dem Programm im Gepäck suche ich die erste der vier Locations auf, die ich nach Möglichkeit heute alle einmal ansehen will.

Michael Treptow gibt hier mit Gitarre Blues und Rock zum Besten. Obwohl sicher noch keine zehn Gäste im Restaurant sitzen, kriege ich schon vom an der Tür stehen Platzangst. Nach dem obligatorischen Beweisfoto für meine Anwesenheit stehe ich auch schon wieder draußen auf der Straße, wo ich erleichtert nach Luft schnappe.
Der nächste Veranstaltungsort ist das Coaast-Rockcafé, nur wenige Türen von der Kartoffelstube (Stube!!) entfernt. Der Plattenladen wirkt auf den ersten Blick schon ziemlich gemütlich, die Wände sind mit eingerahmten Plakaten vergangener Musiker geschmückt. In der hintersten Ecke des schmalen Raumes gibt es Rock unplugged von Mark Hantusch, bei einem Eintreffen wird gerade Johnny Cash's Version von „Personal Jesus“ gecovert.
Die Atmosphäre ist etwas stickig aber sympathisch, jeder scheint hier jeden zu kennen. Aber obwohl ja angeblich in der kleinsten Hütte Platz ist, sind auch hier die Sitzplätze äußerst rar, sodass ich mich nach einer Weile hoffnungsvoll zu meinem nächsten Ziel aufmache.

An der Band kann das jedenfalls nicht liegen. Jackbeat spielen mit Schlagzeug, E-Gitarre und Bass das volle Programm aus mitreißendem Beat, Rock und Rock'n Roll, eben genau wie ich es anfangs hoffnungsvoll erwartet hatte. Zu meiner großen Überraschung ist die Band an der Gitarre mit RPS-Chef Christian Hänsel und am Bass mit meinem langjährigen Gitarrenlehrer Pierre Sandeck besetzt. Dieser Auftritt ist aus meiner Sicht das unangefochtene Highlight des ganzen Abends, sodass ich bei guter Unterhaltung und Verpflegung noch eine ganze Weile dort verbringe.

In reizvollem Jugendstil-Ambiente hat hier die Band Spill ihren Live-Auftritt. Viele dürften sich noch an ihren Auftritt beim Leuchtturm in Flammen erinnern. Mit E-Gitarre und elektrisch verstärktem Kontrabass spielen die Warnemünder bekannte Cover aus Country, Rock und Pop vor dem begeisterten Publikum.
Mit vielen neuen Eindrücken und Bildern mache ich mich durch das nachtschwarze Warnemünde auf den Heimweg. Hoffentlich bleibt uns das Warnemünder Wintervergnügen im nächsten Jahr erhalten, darf sich noch größerer Bekanntheit und Besucherzahlen erfreuen und kann sein Programm dann noch erweitern.