„Wir könnten ein Buch schreiben über die Hanse Sail, ohne dass der Begriff Segelschiff auftaucht“, so Roland Methling.
Könnten, Konjunktiv. Das Buch ist da und wurde gestern vorgestellt. Aber keine Sorge, Segelschiffe tauchen darin auf, reichlich sogar – in Wort und Bild.
Dennoch geht es keineswegs nur um Schiffe und Segel. Etwas, das dieses Buch anders und besonders macht und wohl ein Grund, warum es Logbuch heißt, „Logbuch Hanse Sail Rostock“.

Oberbürgermeister Roland Methling, selbst viele Jahre für die Organisation der Sail zuständig, durfte da natürlich nicht fehlen.
„Wenn ich hier in die Runde gucke, müsste ich eigentlich fast alle namentlich begrüßen“, so das Stadtoberhaupt. Die bedeutendste Bürgerbewegung Rostocks der letzten zwei Jahrzehnte sei die Hanse Sail. „Ein Geschenk, ein Glücksfall für die Hansestadt“, betonte er. „Das Buch ist eine Hommage an die Hansestadt Rostock als Ganzes, denn es ist eine Veranstaltung der Hansestadt Rostock“.

Doch erst einmal zu den beiden Autoren. Beide sind sie in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Hanse Sail Büros tätig. Klaus-Dieter Block als Urgestein, Annika Schulze ist 2008 dazu gestoßen. Zwei verschiedene Generationen mit zwei ganz verschiedenen Blickwinkeln sind dem Inhalt scheinbar gut bekommen.

„Das ist Wahnsinn”, habe sie gedacht, als Klaus sie im September fragte. Gab es bis dahin doch nicht viel mehr als die Idee und das Konzept. „Ich wusste, das ist nicht viel Zeit, wollte es aber trotzdem unbedingt machen.“
Gelockt habe Annika vor allem die Chance, sich richtig in die Thematik einzuarbeiten. „Na ja, da kommen so ein paar Schiffe, das kriegst Du schon hin, das kann so schwer nicht sein“, habe sie anfangs gedacht, als sie bei der Hanse Sail anfing.
Dass es viel mehr ist, habe sie dann schnell festgestellt. Aber auch, dass es noch kein Buch gibt, das hinter die Kulissen schaut. Alle bisherigen Bücher stellen „nur das da, was auch die Besucher erleben können.“ Somit bot sich die Chance für etwas ganz Neues.

Wie er zur Hanse Sail kam? Er komme aus dem Binnenland, aus Köthen, woher ja bekanntermaßen die meisten und besten Seeleute kommen. Was liegt da für einen Süßwassermatrosen in spe näher als der Schritt zur Hanse Sail? Vor allem bei seinem Motto: „Wer aus Köthen kommt, findet es überall auf der Welt schön.“ Er sei einfach fasziniert gewesen von der Veranstaltung, vor allem aber auch von den Möglichkeiten, die sich hier boten.
Jetzt, zur 20. Sail, wäre die Zeit einfach reif gewesen für solch ein Buch. „Für mich ist es eine Zwischenbilanz nach 13 Jahren“, so Block, „für mich wohl eine Art Einstieg“, ergänzt Annika.
„Wir haben schon den Bogen geschlagen von 1990 bis heute“, beschreibt Klaus-Dieter Block das Konzept. Es werde zwar nicht jedes Jahr beleuchtet, dafür gibt es aber eine kleine Chronik mit allen Höhepunkten und Premieren.
Besonders gern erinnere er sich an 1997, an die Ankunft der „Khersones“ nach ihrer Kap-Horn-Umsegelung: „Ein Wahnsinnsereignis! Das ist schon was für Jungs und Mädchen, die früher Abenteuerromane gelesen haben. Hier bei der Hanse Sail kann man es wirklich erleben.“

„Da war viel im Topf, was wir am liebsten in einen tausendseitigen Band gepackt hätten.“ Im Endeffekt sei es jedoch erstaunlich einfach gewesen, die interessantesten Teile auszuwählen.

Seit vielen Jahren Haus- und Hoffotograf der Sail, lieferte er einen Großteil der Bilder für das Buch. „Ich freue mich wirklich immer auf dieses Event“, so Zimmermann, „weil ich das Meer einfach liebe.“
Wie es sei, den Chef der Hanse Sail für vier Tage im Jahr zum Chef zu haben? „Das ist angenehm, ich sehe ihn meistens gar nicht. Er hat seinen Stress und ich meinen.“
Selbst Horst Marx konnte von dem Buch noch überrascht werden. Aufgrund seiner Mitarbeit im Pressebüro meinte er, einen Gutteil der Bilder zu kennen, aber „da sind Bilder bei, die ich nie gesehen hatte, großartige Bilder!“

„Wir können noch keine Million Besucher verkünden“, so Holger Bellgardt, auch wenn das schon oft vor der Sail gefragt würde.
Highlights seien aber wieder die „Sedov“ und die „Kruzenshtern“ – die beiden größten Windjammer der Welt, die mit größter Selbstverständlichkeit nach Rostock kommen. Ebenso aber auch das polnische Vollschiff „Dar Mloziezy“, das 2007 zum ersten Mal bei der Sail zu Gast war.
Die „Golden Lion“, ein neu gebauter 70-Meter-Schoner der Holländer, sei interessant und der 1912 erbaute 2-Mast-Schoner „Moya Metcha“, der in diesem Jahr zum ersten Mal aus Sankt Petersburg nach Rostock kommt.

Meer, Schiffe und Crews, dazu viele Informationen zur Entstehung und Entwicklung der Sail. Dokumente, tolle Bilder natürlich und als Abschluss eine kleine Chronik sowie ein Blick ins maritime Gästebuch der Stadt.
Genau das Richtige, um an den ungemütlichen Apriltagen darin zu schmökern und sich jetzt schon auf die 20. Auflage der Hanse Sail im August einzustimmen.