

Umgekehrt konnte auch der Rostocker Oberbürgermeister Roland Methling drei Besonderheiten nennen, die er an Schwerin schätzte. Die Schloßfestspiele würden ihn reizen, der Lankower See und für seine Vision vom Technikmuseum wohl auch das eine oder andere Exponat aus dem technischen Landesmuseum.
Schnell wurde jedenfalls klar, dass die Frage „Rostock und Schwerin – eine Hassliebe?“ unter der die Gesprächsrunde im Rostocker Rathaus stand, mit „Nein“ beantwortet werden konnte. Es sei weniger der einstige Twist um den Sitz der Landeshauptstadt, der trenne, machte der Abend deutlich. Vielmehr seien es die leeren Kassen und die finanziellen Probleme, die die beiden Städte als Zentren des Landes einen.

Das Miteinander klappt also recht gut. Das wurde in der Vergangenheit vor allem im touristischen Bereich bewiesen. Trotzdem werden „Potenziale zu Kooperationen nicht richtig genutzt“, räumte die Schweriner Oberbürgermeisterin ein.
Obwohl sie Rostock als wirtschaftliches Zentrum des Landes anerkenne, machte sie zur Enttäuschung einiger Anwesenden deutlich, dass sich Schwerin vor allem an Hamburg orientiere.

Dem setzte die frühere Finanzministerin von Mecklenburg-Vorpommern Sigrid Keler jedoch die negative Entwicklung der Bevölkerungszahlen entgegen. Sie forderte Konzepte, wie die Städte mit der damit verbundenen Verringerung der Finanzmittel umgehen wollen.
Mit Blick auf die Landesgelder waren sich beide Stadtoberhäupter einig, dass die Verteilung zwischen den Städten und Landkreisen angesichts der Aufgaben nicht gerecht sei. „Die Städte müssen als Zentren für Entwicklung auch im Land wahrgenommen und entsprechend mit Finanzmitteln der Landesministerien ausgestattet werden“, sagte Rostocks Oberbürgermeister. Seine Schweriner Kollegin ergänzte: „In der Politik ist die Rolle der Zentren zugunsten der Landkreise in den Hintergrund getreten. Aber wenn es den Zentren gut geht, hat auch die Fläche was davon.“

„Wir sitzen dann in einem Boot“, betonte Roland Mehtling. Schon deshalb sei, so das Rostocker Stadtoberhaupt, die Beziehung zwischen Rostock und Schwerin mit einer Zwangsehe zu vergleichen.
So wollte Angelika Gramkow die Beschreibung der Beziehung der beiden Städte aber nicht stehen lassen. „Herr Methling, Heirat kommt grundsätzlich nur aus Liebe in Frage, damit das mal klar ist“, erwiderte sie kokettierend.
Zu der Gesprächsrunde „Rostock und Schwerin – eine Hassliebe?“ hatten die Rostocker Verwaltung und die Universität Rostock eingeladen. Sie möchten damit die Tradition der Rostocker Gespräche, die zwischen 1991 und 1994 geführt wurden, wiederbeleben.
Ziel sei es, die Hansestadt Rostock von außen zu betrachten, sagte die Rostocker Senatorin Liane Melzer. Die Veranstalter sehen die Gesprächsreihe zugleich auch als Vorbereitung auf die 800-Jahr-Feier Rostocks im Jahr 2018 und das 600 Jahre währende Bestehen der Universität Rostock im Jahr 2019.