Ab und zu waren sie ja in den letzten Monaten schon als Fahrschule auf den Rostocker Straßen zu sehen, seit heute sind die neuen Straßenbahnen nun offiziell im Linienbetrieb unterwegs.
Zwei Niederflur-Gelenktriebwagen - so der Fachausdruck – vom Typ Tramlink 6N2 sind seit heute Mittag auf der Linie 1 zwischen Hafenallee und Rügener Straße/Mecklenburger Straße auf der Strecke. Bis Weihnachten sollen nach und nach alle 13 neuen Bahnen im Rostocker Straßenbahn-Netz unterwegs sein, informiert die Rostocker Straßenbahn AG (RSAG).
32 Meter lang, fünf Wagenteile, drei Drehgestelle, 2,65 Meter breit, Einzug auf 2,30 Meter im Bahnsteigbereich, vier Tonnen Leergewicht, maximale Geschwindigkeit 70 km/h (im Linienbetrieb 60 km/h), 71 Sitzplätze, 139 Stehplätze – das sind die technischen Daten der neuen RSAG-Schmuckstücke.
Die Fahrgäste haben jetzt noch mehr Platz, insbesondere auch für Kinderwagen, Fahrräder, Rollatoren und Rollstühle, die massiv zugenommen haben und immer noch zunehmen, betont Klaus Albrecht, der die Entwicklung mit seinem Team technisch begleitet hat.
Um das Fahren mit der Straßenbahn nicht nur für behinderte Menschen noch komfortabler und möglichst barrierefrei zu machen, wurde auf Stufen verzichtet. Informationen zum Streckenverlauf sollen mittels übersichtlicher Anzeigen und Lautsprecher, die jetzt auch außen die Linie und das Ziel ansagen, noch besser wahrnehmbar sein.
Auch auf Energieeffizienz wurde durch Nutzung der gespeicherten Bremsenergie beim Anfahren, Thermoscheiben und einer verbesserten wärmetechnischen Isolation im Fußboden Wert gelegt.
Bei der Überprüfung der neuen Bahnen durch die zuständige Landesbehörde war es zunächst zu einer Verzögerung bei der Zulassung gekommen. Einige Normen hatten sich während des Entwicklungsprozesses geändert, erklärt RSAG-Vorstand Jochen Bruhn. Doch nun ist alles abgesegnet und alle drei Wochen soll eine weitere Bahn aus Spanien, wo sie von der Firma Vossloh fertiggestellt werden, ankommen.
37,6 Millionen Euro kostet die Anschaffung der neuesten Straßenbahngeneration insgesamt, die die nächsten 30 Jahre das Rostocker Stadtbild prägen wird. Mit 19 Millionen Euro förderte das Land die Investition.
Mit seinen modernen Straßenbahnen nimmt Rostock eine Vorreiterrolle ein. „Chemnitz, Dresden und weitere Städte aus dem Osten haben bereits ein Auge auf die neue Straßenbahn geworfen“, weiß Wilfried Eisenberg zu berichten, der zu Beginn des Projektes 2011 technischer RSAG-Vorstand war.
Mit den 13 neuen Straßenbahnen sind noch 40 ältere Niederflurbahnen im Rostocker Straßenbahnnetz unterwegs. „Die noch älteren 17 Tatrabahnen werden peu à peu rausgenommen. Die Beiwagen werden nach Kassel und Leipzig verkauft und die Tatras verschrottet“, sagt Jochen Bruhn.Neue Website mit Fahrplanauskunft in Echtzeit und Twitterkanal mit Störungsmeldungen
Nicht nur auf den Schienen hat sich die RSAG erneuert. Das gesamte Erscheinungsbild des kommunalen Unternehmens wurde einer Modernisierung unterzogen. Und dazu gehört nicht nur der neue Claim „Zuhause unterwegs“. Für Fahrgäste besonders interessant dürfte der neue Informationsservice via Internet sein.Seit heute ist die neue Website der RSAG online: moderner, übersichtlicher und vor allem mit einer neuen Fahrplanauskunft, die die Fahrtzeiten in Echtzeit liefert. Störungsmeldungen und Fahrpreise werden gleich mit angezeigt. Ermöglicht wurde dies im Rahmen des EU-Projektes Interface plus, das die bessere Anbindung zwischen Rostock, seinem Überseehafen und Dänemark zum Ziel hatte. „Das Kernstück ist eine Datendrehscheibe, die von den Leitstellen der RSAG, aber auch von weiteren Anbietern wie den Scandlines-Fähren und dem Terminalbus im Überseehafen mit Daten bestückt werden. Auch das Datensystem der Deutschen Bahn und ein dänisches Auskunftssystem sind angeschlossen“, erläutert Andrea Doliwa vom Verkehrsverbund Warnow.
Ebenfalls seit heute zwitschert die RSAG auf einen eigenen Twitterkanal. Fahrgäste können sich so im sozialen Netzwerk über Störungsmeldungen informieren.
Bis Weihnachten gibt es 13 neue Straßenbahnen. Neue Gleise wird es in den nächsten fünf bis sechs Jahren nicht geben, kündigt RSAG-Vorstand Jochen Bruhn an. 
RSAG-Vorstand Michael Schroeder begrüßt einen Stammgast zur Jungfernfahrt mit der neuen Straßenbahn. 
Gerade bei der derzeitigen schwülen Sommerhitze auch erfreulich: In der Straßenbahn gibt es jetzt eine Klimaanlage. Nicht nur, dass sich die Innentemperatur ab plus 18 Grad der Außentemperatur anpasst, es gibt auch eine hundertprozentige Entfeuchtung. 
Im Innenraum der neuen Straßenbahnen zieren Himmelfotografien eines Rostocker Fotografen die Decken. Im sogenannten Ruhebereich, wo die Sitze sind, gibt es einen blauen Schönwetter-Himmel. Im Mulitfunktionsbereich ist der Himmel dramatischer. 
Die beiden neuen Straßenbahnen. Sie haben einen Energiespeicher, mit dem die Bremsenergie der vier Fahrmotoren gespeichert und beim Anfahren wieder ein Teil rausgezogen wird. So wird die Spitzenleistung verringert, nach denen sich die Strompreis richtet. Ziel war es, den alten Wert von 800 Ampere nicht zu überschreiten, erklärt Klaus Albrecht.