
Untergebracht wird alles in zwei Räumen des Bücherspeichers der Universität Rostock. „Es ist schön, dass Johnson wieder nach Hause kommt, denn in diesem Bau hat er als Student selbst Literatur ausgeliehen“, schwärmt Robert Zepf, der Direktor der Universitätsbibliothek. Für ihn ist die umfangreiche Sammlung ein Highlight für die Rostocker Bestände des 20. Jahrhunderts. Doch bevor intensiv mit den Dokumenten gearbeitet werden kann, müssen diese erst einmal erschlossen werden.
„Wir haben jetzt viel Arbeit für die nächsten 20 Jahre“, berichtet Professor Holger Helbig, Inhaber der Johnson-Stiftungsprofessur. Im ersten Schritt muss der komplette Bestand neu erschlossen werden. Mitarbeiter der Universitätsbibliothek und die im Oktober eingerichtete Forschungsstelle für den Schriftsteller werden dabei eng zusammenarbeiten. Ziel ist es, einen genaueren Zugang zu Johnsons Werk zu finden und dieses auch für andere Forscher zugänglich zu machen.
In jedem der 8000 Bücher könnten Anmerkungen oder Unterstreichungen des Schriftstellers zu finden sein. „Wir wissen zum Beispiel, dass er in einer Druckfassung seiner „Jahrestage“ Fehler markierte und Notizen für zukünftige Auflagen machte“, erzählt Antje Pautzke gestern beim Einräumen der Bücher. Sie und André Kischel sind die Projektmitarbeiter der Forschungsstelle. Vor allem die Intertextualität im Werk des Autors soll sich so künftig besser nachvollziehen lassen.

Mit dem Umzug ist zwar der erste Schritt getan, doch die Arbeit geht jetzt erst richtig los. So soll die Arbeit an der Gesamtausgabe des Schriftstellers vorangetrieben werden und auch die ersten Planungen für eine Ausstellung des neuen Literaturschatzes laufen. Professor Helbig hofft: „Irgendwann soll es mal typisch für Rostock werden, dass man hier herkommt, weil hier die Stadt von Uwe Johnson ist.“ Doch bisher wurde noch keine passende Immobilie für das zukünftige Johnson-Haus gefunden. Fest steht aber, dass wir noch einiges von dem viel zu früh verstorbenen Schriftsteller hören werden.