
Eine Gruppe Kinder ist mit Ornithologen des Naturschutzbundes (NABU) ins Gebälk über der 45 Meter hohen Aussichtsplattform bis zu den Nistkästen hochgeklettert. „Jedes Jahr zwischen Himmelfahrt und Pfingsten kontrollieren wir die Brutkästen der Dohlen“, erzählt Frank Emmerich, der sich mit seiner ornithologischen Fachgruppe um die Nistplätze in den Kirchen Rostocks und der Region kümmert.

Sechs Nistkästen stehen im Petriturm für die Dohlen zur Verfügung. Die NABU-Ornithologen haben sie Mitte der 1990er Jahre hier angebracht. Denn durch die Sanierung des im Krieg ausgebrannten mittelalterlichen Turmes waren auch die Rüstlöcher, in denen die Vögel bisher genistet hatten, gefährdet, erklärt Ralph Emmerich.
Gemeinsam mit drei jungen Vogelschützern von der Rudi-Rotbein-Gruppe, der Kindergruppe des NABU, macht er sich ausgerüstet mit einer Stirnlampe und Werkzeug auf den Weg zum ersten Nistkasten.
Vorsichtig decken sie das obere Brett ab. Draußen ertönt der Protest der Altvögel. Aus der Kiste blicken drei kleine graue Jungvögel den neugierigen Augen entgegen. Etwa 14 Tage sind sie alt. Mit sicherer Hand verstauen die Kinder sie in einen Beutel. „Komisch fiedrig“, beschreibt der zehnjährige Mato das Gefühl in den Händen. „Die riechen nach Pinguinen im Zoo“, ergänzt seine zwei Jahre ältere Schwester, als sie den markanten Geruch der Tiere wahrnimmt.

„Durch die Beringung wollen wir herausbekommen, wo die Dohlen hinfliegen und ob sie wiederkommen“, erläutert Gudrun Drude, Vogelwartin auf Langenwerder, die bei der kurzen Prozedur mit anpackt. Bis nach Frankreich fliegen die Tiere. Manche kommen auch aus Osteuropa. Aber eigentlich seien Dohlen einem Standort treu. Mit ihrem Partner bleiben sie ein Leben lang zusammen.
„Wir sammeln die Daten, um zu wissen, wie sie zu schützen sind“, sagt die Hobbyornithologin. Gefährdet seien die Dohlen, die vom NABU zum Vogel des Jahres 2012 ernannt wurden, vor allem durch fehlende Nistmöglichkeiten und Nahrung.


