„Was ist hier Täuschung? Was ist wahr?“ Das herauszufinden ist nicht immer einfach. Erst recht nicht, wenn höhere Mächte im Spiel sind, die anscheinend willkürlich ein Spielchen mit einem treiben. Die Motive bleiben mitunter undurchschaubar. Manchmal geschieht es auch nur aus purem Vergnügen zum Leidwesen der Getäuschten.
Das muss auch „Amphitryon“ erfahren, wie die Besucher des Theaters im Stadthafen derzeit im gleichnamigen Stück von Molière beobachten können. Bettina Rehm hat die Komödie von 1668, die sich des mythologischen Stoffes aus der Antike über die Zeugung des Halbgottes Herkules bedient, in die Gegenwart platziert. Auf der Veranda, die von Werner Brenner funktional und im biederen Baumarktschick ausgestattet wurde, kommt es zwischen dem frisch vermählten Ehepaar Amphitryon und Alkmene zum verzweifelten Ehekrach.
Denn der Feldherr Amphitryon (Tim Ehlert) ist verwirrt. Als er nach einer erfolgreichen Schlacht zu seiner frisch vermählten Gattin (Laura Bleimund) zurückkehrt, glaubt er, sie sei nicht ganz bei Trost. Denn die behauptet doch tatsächlich, bereits mit ihm die vorherige Nacht verbracht zu haben. Doch wie kann das sein?
Das riecht gewaltig nach Betrug. Und dahinter steckt kein geringerer als Jupiter (Alexander Flache), der höchste Gott, persönlich. Der hatte mal wieder Lust auf ein kleines erotisches Abenteuer und schreckt dafür auch nicht vor unlauteren Mitteln zurück. Als übermächtiger Gott ist es für ihn ein Leichtes sich in Amphitryons Ebenbild zu verwandeln und dessen Frau zu verführen, ohne Rücksicht auf die Folgen für das Paar. Denn auch Alkmene bemerkt den Schwindel nicht und fühlt sich von ihrem Ehemann verspottet.



Für die komischen Effekte, es handelt sich trotz aller Schicksalshärte ja um eine Komödie, liefern die beiden Doppelgängerhandlungen einige Pointen: „Herr ich war schon hier, bevor ich angekommen war.“ Obwohl sich die Schauspieler mit überzogenen Gesten und pointierter Verssprache bemühen, für Lacher zu sorgen, bleibt die Reaktion beim Publikum dennoch eher zurückhaltend.
Die nächsten Vorstellungen gibt es am 7., 8. und 16. Januar sowie am 3. Februar im Theater im Stadthafen.