
Wie für Konzerte üblich, brachte der Hauptact auch gestern wieder eine Vorgruppe mit. Slow Runner heißt die Band, die Fitzsimmons auf seiner Europatour begleitet. Josh Kaler und Michael Flynn machen seit 2003 gemeinsam Musik und werden dabei von wechselnden Musikern begleitet. Im M.A.U. Club waren die Amerikaner zu dritt: ein Schlagzeuger, ein Keyboarder, der auch mal zur Gitarre griff und Multiinstrumentalist Kaler.

Musikalisch bekannt wurde William Fitzsimmons durch amerikanische Fernsehserien wie Grey's Anatomy. Dort wurden vor allem „Please Don’t Go“ und „Passion Play“ häufig als Untermalung eingesetzt. Rein visuell sorgt vor allem der Vollbart des Künstlers für Wiedererkennungswert. Schon im Mai 2010 beehrte der Amerikaner Rostock um Freunde von ruhiger, entspannter Musik zu begeistern.
Der Musiker wirkte sehr fokussiert auf der Bühne. Obwohl es keine wirkliche Bühnenshow gab, nur einen Mann und seine drei abwechselnd gespielten Gitarren, zog er die ungefähr 250 Gäste sofort in seinen Bann. Einige waren jedoch schon ein wenig verwundert, als er nach dem ersten Lied ansagte, dass er nun das letzte Lied spielen werde. Lächelnd sagte er, dass es nur ein Spaß gewesen sei, und das Publikum einen spaßigen Abend erwarten könne, allerdings: „The William Fitzsimmons kind of fun.“
Begleitet wurde er bei einem Großteil der Lieder von Slow Runner, wodurch ein atmosphärischer Klangteppich entstand - zusammen mit der leicht zerbrechlich wirkenden, aber sehr schönen Stimme ein tolles Musikerlebnis. Was teilweise die Freude ein wenig schmälerte, war die Tatsache, dass nur wenig Sitzmöglichkeiten aufgestellt waren. Ein Konzert, wie das von William Fitzsimmons schreit förmlich nach einer Couch, um mit seinem Partner zu kuscheln – der überwiegende Teil des Publikums bestand aus Paaren.
Auch textlich ist William Fitzsimmons klasse. Er verarbeitet in seinen Songs oft private Erlebnisse – Trennungen, Verluste, die Liebe, seine Eltern, und baut daraus kleine Klanggedichte. Auch die Arbeit als Psychologe, die er am Geneva College gelernt hat, findet sich zum Beispiel in dem Song „Bottle“ wieder. Bevor er ihn spielte, sagte er, wie viel Respekt er vor den Menschen in so einer Einrichtung hat, dass diese nicht zugrunde gehen an der Belastung.
Nach einem kurzen Zugabenblock und einem weiteren Lied, welches Fitzsimmons von hinter der Bühne sang, war das Konzert zu Ende und viele Gäste nutzen noch die Chance, um Schallplatten oder CDs zu kaufen, um die Traumreise auf der heimischen Couch weiterzuführen.
Ein Zufall brachte auch Nantwig Zech auf den amerikanischen Musiker. „Ich habe vor zwei Wochen bei Youtube nach neuer Musik gesucht und das Lied „Blood and Bones“ gefunden. Dann habe ich gesehen, dass er heute im M.A.U. spielt und so habe ich direkt Tickets gekauft.“ Davon profitieren konnte seine Freundin Claudia, die eine Karte geschenkt bekam. „Ich fand es super. Vor allem zu zweit ist das echt gute Stimmungsmusik“, sagte Claudia. Nantwig fasst den Abend relativ perfekt zusammen: „Es war ein tolles Kuschelkonzert.“