Es sei wirklich nicht schlimm, sollen Kinder der Schweriner 24-Stunden-Kita Sozialministerin Birgit Hesse (SPD) erzählt haben, berichtet sie heute in Rostock von ihrer anfänglichen Skepsis, Kleinkinder über Nacht weggeben zu müssen. Manchmal ist es jedoch in der modernen Arbeitswelt nicht anders möglich. Alleinerziehende, Schichtarbeiter, keine Großeltern in der Nähe – da geraten Familien mit den konventionellen Öffnungszeiten von Betreuungseinrichtungen schnell an ihre Grenzen.
Nach Schwerin und Greifswald soll nun auch unsere Hansestadt ab September 2015 zum ersten Mal eine 24-Stunden-Kita bekommen. Heute wurde der erste Spatenstich gesetzt. Mehrere Anläufe waren dafür nötig. Über vier Jahre hatte allein der zukünftige Träger der Einrichtung die Gesellschaft für Gesundheit und Pädagogik (GGP) nach einem geeigneten Standort gesucht. Nun will sie an ihrer Kindertagesstätte in der Humperdinckstraße anbauen lassen. Bauherr ist der Waldemarhof e.V. Etwa zwei Millionen Euro kostet das Bauvorhaben, wovon 231.000 Euro aus Fördergeldern stammen.
365 Tage im Jahr, 24 Stunden am Tag und in der Nacht können hier dann Kinder von Fachkräften betreut werden. 130 neue Plätze entstehen, womit die Einrichtung auf insgesamt 220 Kinder im Krippen- und Kindergartenalter wächst. 20 neue Mitarbeiter sollen eingestellt werden. Neben erweiterten Öffnungszeiten sind zunächst 50 Übernachtungsmöglichkeiten vorgesehen. „Wir sehen aber, dass der Bedarf größer ist. Schon jetzt gibt es gut ein Dutzend Anmeldungen“, sagt GGP-Bereichsleiter Dr. Wolfgang Richter.

Voraussetzung für die Aufnahme in der 24-Stunden-Kita ist ein Dienstnachweis. Schließlich - so wird von allen Seiten betont - sei die Einrichtung kein Aufbewahrungsort, sondern solle die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtern und so die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes stärken.
Aber noch seien einige Details zu klären: eine stabile Finanzierungsgrundlage beispielsweise. Denn die Mehrkosten für das 24-Stunden-Angebot sind nicht durch die Regelpreise zu decken. Angestrebt wird eine 50:50-Aufteilung zwischen Stadt und Eltern, wobei auch die Arbeitgeber aufgefordert sind, die Eltern dabei zu unterstützen. Vom Finanzsenator gibt es diesbezüglich schon positive Signale.

Richter erwartet, dass der Schritt zur ersten 24-Stunden-Kita in Rostock auch andere Träger beflügeln könnte. Bedarf gebe es genug, beispielsweise in der Innenstadt, wo jedoch die Standortsuche zunehmend komplizierter werde.