Bald wird gebaut am Groten Pohl

Vorentwurf „Wohnen und Sondergebiet am Südring“ beim Ortsbeirat Südstadt vorgestellt

8. Juni 2018, von
Protest der Kleingärtner am Groten Pohl gegen die Bebauungspläne für das Wohn- und Sondergebiet am Südring.
Protest der Kleingärtner am Groten Pohl gegen die Bebauungspläne für das Wohn- und Sondergebiet am Südring.

Wenn es nach den Stadtplanern geht, sollen im nächsten Jahr die Bagger anrollen und die Erschließungsarbeiten auf dem Groten Pohl beginnen. Das kündigte Matthias Horn vom Büro des Oberbürgermeisters gestern auf der Sitzung des Ortsbeirates Südstadt an. Dieser befasste sich mit dem Vorentwurf „Wohnen und Sondergebiet am Südring“, dem letzten und größten Bauabschnitt auf dem Groten Pohl.

Ein großes städtebauliches Entwicklungspotenzial verspricht sich die Stadt Rostock von der etwa 22 Hektar großen Fläche zwischen Südring, Erich-Schlesinger-Straße und der Bahnstrecke Rostock-Wismar. Nahe der Innenstadt und zwischen Hauptbahnhof und dem Südstadtcampus gelegen soll hier ein neues Stadtviertel entstehen. Für Wohnen und Arbeiten soll Platz sein und der Universitätscampus soll mit zusätzlichen Forschungseinrichtungen erweitert werden, skizziert Reinhard Böhm die Ziele für die Stärkung der Südstadt an dieser Stelle.

Der Stadtplaner stellte dazu die ersten Pläne für die Einteilung der Baufelder und Erschließungsstraßen vor. Im Herzen des Areals auf 4,5 Hektar soll eine vier bis sechsgeschossige Wohnbebauung entstehen. Ein oder zwei sogenannte städtebauliche Dominanten, also in die Höhe herausragende Gebäude, seien mit bis zu acht Geschossen vorstellbar. Zum Vergleich: Die benachbarten Studentenwohnheime sind zehn Stockwerke hoch.

Parallel zum Südring sollen sich um dieses Wohnquartier verschiedene Gewerbe ansiedeln, vorzugsweise aus dem Bereich Wissenschaft und Technik. Im nördlichen Bereich soll sich die Kreativwirtschaft in einer Art Gründerzentrum, in dem die Existenzgründer eventuell auch gleich wohnen können, niederlassen können. Im Nordwestlichen Teil ist eine 2,8 Hektar große Gemeinbedarfsfläche vorgesehen, auf der eine Schule für bis zu 850 Schüler der ersten bis zwölften Klasse und einer Kindertageseinrichtung ab 100 Kinder gebaut werden soll. Den damit verbunden Hol- und Bringeverkehr wollen die Planer gleich vorn nahe der Erich-Schlesinger-Straße abfangen.

Von den Verkehrskreiseln Albert-Einstein-Straße und Pütterweg sollen Straßen in das Gebiet führen und miteinanderverbunden werden. Zwischen Feuerwache und Wohngebiet sei Platz für Stellflächen oder ein Parkhaus. Eine fußläufige Verbindung über die Bahn zum Lindenpark wurde ebenfalls in den Plan aufgenommen – auch wenn das noch Zukunftsmusik sei, so Reihnhard Böhm. Eine ursprünglich angedachte weitgehend autofreie Variante wird jedoch wohl nicht umgesetzt, bedauert Henning Wüstemann vom Ortsbeirat. Seine Grüne-Bürgerschaftsfraktion hatte eine Zustimmung zum Bebauungsplan davon abhängig gemacht, dass der Interkulturelle Garten (IKG) am Groten Pohl bleiben kann. Noch werde das geprüft. Dennoch sinken die Hoffnungen. Auf der geplanten Gemeinbedarfsfläche, auf der sich der IKG auf 3000qm heute befindet, wird es wohl nicht mehr ausreichend Platz dafür geben.

Im Gespräch war in der Vergangenheit auch, einige Kleingartenparzellen in diesem Bereich zu erhalten. Davon ist auf dem Vorentwurf jedoch nichts mehr zu sehen. Vier Kleingartenanlagen (KGA) haben bis jetzt das grüne Bild dieses Bereiches geprägt. Sie müssen nun bis spätestens im nächsten Jahr ihre Gärten räumen. Auch für die Moschee muss ein neuer Platz gefunden werden, sagt Matthias Horn.

Ein Problem, so die Planer, sei die mit den geplanten Baumaßnahmen verbundene hohe Versiegelung. Derzeit wird die hydrologische Situation geprüft. Doch es zeichnet sich jetzt schon ab, dass der Abfluss des Regenwassers schwierig werden kann. „Das Regenwasser kann durch die umliegenden Systeme nicht mehr aufgenommen werden“, erklärt Reinhard Böhm. Eine Lösung könnte eine Rezensionsfläche in Form eines Sees sein, so eine Idee. Auch durch komplette Dachbegrünungen oder Dachgärten erhofft man sich Entspannung.

Die bei der Sitzung anwesenden Anwohner und Kleingärtner zeigten sich überwiegend skeptisch angesichts der Pläne. Von einer Betonwüste sprach der Stellvertretende Vorsitzende der KGA Pütterweg. Er befürchtet erhebliches Verkehrsaufkommen durch den gewerblichen Lieferverkehr und negative Auswirkungen auf die Wärmeentwicklung in der Stadt. „Das wird alles bedacht“, entgegnet Matthias Horn.

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