Venus im Pelz - Uraufführung im Theater im Stadthafen
Ein Theaterstück von Florian Dedio nach der Novelle von Leopold von Sacher-Masoch
12. September 2010, von Stefanie
Oben oder unten, geben oder nehmen, aktiv oder passiv – diese Ungleichheiten lassen sich wohl in vielen Beziehungen zwischen zwei Menschen beobachten. Einer sagt, wo es lang geht und der andere folgt ihm, mit Freude oder auch nicht.
So auch in der Novelle „Venus im Pelz“ von Leopold von Sacher-Masoch, die Florian Dedio als Bühnenstück im Theater im Stadthafen am Samstag zur Uraufführung gebracht hat.
Hier sind es der junge Adlige Severin von Kusiemski und die wunderschöne Witwe Wanda von Dunajew, die sich ineinander verlieben. Mann und Frau auf einer Augenhöhe? Nicht bei den beiden. „In der Liebe gibt es kein Nebeneinander“, ist Severin überzeugt. Besessen von der Fantasie, der Sklave eines schönen Weibes zu sein, überredet er Wanda zu einer Beziehung, in der sie die totale Macht über ihn hat.

Ausgestattet mit Pelz und Peitsche übernimmt Meike Faust die Rolle der „Femme Fatale“ und dominiert nicht nur ihren Sklaven, sondern auch das Geschehen auf der Bühne. Nachdem sie sich warm gespielt hat, gelingt es ihr, die Vielschichtigkeit ihrer Figur zu zeigen. Denn Wanda neigt anfänglich eigentlich nicht zur Dominanz.
Erst Severin weckt diese Seite in ihrem Charakter, indem er sie immer wieder dazu ermutigt, ihn entwürdigend zu behandeln. Auch zwischendurch fällt die Schöne immer wieder aus der ihr zugewiesenen Rolle. „Hab ich dir wehgetan?“, fragt sie beispielsweise ganz besorgt und voller Scham nach dem ersten Peitschenschlag.

Aber für Severin sind Schmerzempfinden und sinnliche Lust miteinander verknüpft. Und was kann bei einem Verliebten einen größeren Schmerz verursachen als die Eifersucht, hervorgerufen durch die Untreue der Frau. Wanda lacht sich einen Geliebten an, den cholerischen Griechen Alexis Papadoplus, dargestellt von Tobias Hamann. Dieser demütigt Severin vor den Augen seiner Herrin, sodass der Sklave endgültig den Wunsch verliert, sich zu unterwerfen.

Aber auch zuvor hat es bereits immer wieder Situationen gegeben, in denen die Rollenverteilung von beiden in Frage gestellt wird. Diese Momente machen letztendlich auch den Reiz und die Spannung des Stückes aus. Mitunter bleibt ihre Wirkung jedoch etwas blass, da das Auftreten von Dino Gebauer als Severin eher indifferent ist. Ihm liegen besonders die Szenen, in denen seine Figur ihren Gefühlen offen freien Lauf lassen kann.
Unterstrichen werden die Empfindungen der beiden Hauptfiguren durch die musikalische Begleitung von Anne Roedszus am Saxophon und Philipp Wisotzki am Klavier. Vorgetragen vom hinteren Bühnenrand, harmoniert ihr vielseitiges Spiel sehr gut mit den einzelnen Szenen.
Das Premierenpublikum ist mit Interesse bei der Sache. Es wird bemerkbar gelacht und mitgelitten, und das liegt natürlich auch in der Absicht des Regisseurs. „Severin geht doch auf eine relativ interessante Reise als Sklave. Ich möchte diese Reise dem Publikum verständlich machen. Die Zuschauer sollen den Reiz, den sie für den Menschen hat, verstehen“, erklärt Florian Dedio.

Für den Rostocker ist es das erste Mal, dass er ein Bühnenstück inszeniert. Bisher hat der 29-Jährige vor allem Erfahrungen in der Filmbranche gesammelt und schon einige Dokumentar- und Kurzfilme gedreht. Eine Ausbildung als Drehbuchautor hat er mit Auszeichnung bei der Vancouver Film School abgeschlossen.
„Venus im Pelz“ gehört schon seit Langem zu seinen Lieblingsbüchern. Die Novelle des österreichischen Schriftstellers Leopold von Sacher-Masoch aus dem Jahre 1870 gilt heute als Weltliteratur und ist nicht zuletzt auch dadurch bekannt, dass der Begriff Masochismus auf „Venus im Pelz“ zurückgeht und vom Namen des Autors abgeleitet wurde.
Eine weitere Vorstellung des Stückes wird es am 15. September im Theater im Stadthafen geben.