Rostocker Kunstpreis 2010 für Matthias Wegehaupt
Verleihung des Kunstpreises an Usedomer Maler in der Rostocker Kunsthalle
20. November 2010, von Stefanie
Gestern Abend wurde in der Kunsthalle der Rostocker Kunstpreis verliehen. Mit seiner fünften Auflage dürfte der Preis mittlerweile fest in der Region etabliert sein. „Er wird zunehmend bekannter“, stellte zumindest Thomas Kühl von der Provinzial-Versicherung fest und belegte diesen Eindruck mit der ansteigenden Zahl von Einträgen im Internet. Na dann wollen wir mal einen weiteren hinzufügen.

Seit 2006 wird der Rostocker Kunstpreis von der Kulturstiftung Rostock und der Hansestadt Rostock jedes Jahr für eine andere Ausdrucksform der bildenden Kunst ausgelobt. In diesem Jahr bewertete die siebenköpfige Jury die Arbeiten von fünf Malern. Sie wurden zuvor aus 64 Bewerbungen ausgewählt und vor gut einem Monat in der Rostocker Kunsthalle ausgestellt.
„Der Kunstpreis wendet sich an Künstler aus Rostock und der Region. Wir wollen die Kunst fördern“, sagte Professor Dr. Wolfgang Methling, Vorsitzender der Rostocker Kulturstiftung. Das sei ein berechtigtes Anliegen, verteidigte er den regionalen Kunstpreis gegenüber Vorwürfen der Provinzialität.

Biene Feld, Matthias Kanter, Ute Mohns, Mike Strauch und Matthias Wegehaupt waren die fünf Glücklichen, die es in die engere Auswahl geschafft hatten. Etwa 7000 Besucher haben ihre Werke seit Ausstellungsbeginn in der Kunsthalle gesehen. „Wenn es nach den Besuchern gegangen wäre, wäre jeder Erster geworden“, fasste Dr. Uwe Neumann von der Kunsthalle den großen Zuspruch zusammen. Und Dr. Ulrich Ptak erklärte, dass es für die Jury nicht einfach gewesen wäre, sich auf einen Gewinner festzulegen.
Schließlich hat sie sich dann doch für den Maler entschieden, so Jury-Mitglied Ulrich Ptak, der bisher am kontinuierlichsten gearbeitet hat: Matthias Wegehaupt.

Der 1938 in Berlin geborene Maler lebt in Ückeritz auf der Insel Usedom. In seiner Arbeit ließ er sich von der ihn umgebenden Landschaft inspirieren und überzeugte die Kunstpreisjury mit seinen „Schilfbildern“.
Vor allem ihre Klarheit und die Entschiedenheit des Striches sowie die Sicherheit in Farbe und Form wurden in der Laudatio von Ulrich Ptak gelobt. „Er arbeitet nicht weggeträumt, sondern aufmerksam beobachtend, mit dialektischem Grundverständnis und hellwach“, zeigte er sich nach einem Besuch des Malers an dessen Wirkungsstätte beeindruckt. „Seine Arbeiten in verschiedenen Techniken sind einfach schön. Ein wenig kann man sich doch hineinträumen“, schwärmte der Laudator.

Matthias Wegehaupt selbst zeigte sich in seinen Dankesworten angesichts der Ehrung betroffen. Es war ihm ein Anliegen zu betonen, dass Kunst kein Wettkampf sei. „Es hat mich einfach erwischt. In der Kunst geht jeder seinen Weg“, würdigte er auch die Leistungen seiner Mitbewerber. Neben 10.000 Euro Preisgeld, gestiftet von der Provinzial, kann sich der Maler nun auch über eine Ausstellung seiner Werke in der Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommerns in Berlin freuen.

Dass der Zuspruch für alle fünf Finalisten bei der diesjährigen Kunstpreisverleihung sehr hoch war, wurde nach der Bekanntgabe des Gewinners auch an den Reaktionen der Gäste deutlich.
Helga Priester, selbst Landschaftsmalerin, zeigte sich etwas enttäuscht. Sie lehnte die Farbwahl in Matthias Wegehaupts Schilfbildern ab und bevorzugt generell eher gegenständliche Malerei. Ihr Favorit war Ute Mohns mit ihren Porträts und Blumensträußen.

Auch Tim Kellner, der im letzten Jahr den Kunstpreis für seine Fotografien gewonnen hatte, hätte sich für einen anderen Maler entschieden. So zeigte er sich besonders von der fotografischen Qualität in den Malereien von Mike Strauch beeindruckt.
Oder ist es doch eher eine malerische Qualität? Darüber diskutierten die beiden Künstler vor den Werken, die noch eine weitere Qualität auszeichnete: die dominierende Farbe grün. Klar, es geht um Natur. Natürliches im Gegensatz zum Synthetischen – das interessiert den Maler. Und hier wird doch der Einfluss von Bildern, die nicht aus der Malerei kommen, sondern durch die zeitgenössischen Medien vermitteln wird, thematisiert. Bilder, die an romantische Landschaften oder Blumen erinnern, werden mit Streifen und geometrischen Formen konfrontiert.
Wer bisher noch nicht die Gelegenheit genutzt hat, die Arbeiten der fünf Finalisten des Rostocker Kunstpreises 2010 zu besichtigen, der kann dies noch bis zum 5. Dezember in der Kunsthalle nachholen.