16. Rostocker Schultheatertage 2011
Im Theater im Stadthafen zeigen Schüler und Schülerinnen aus der Region die Ergebnisse ihrer Theaterprojekte
29. März 2011, von Luisa
„Es ist unser wichtigster Auftrag mit Jungendlichen und für Jugendliche zu spielen“, sagte der Intendant des Rostocker Volkstheaters Peter Leonard zur Eröffnung der 16. Schultheatertage. Dass wieder so viele junge Menschen ins Theater gefunden hatten, um ihre Stücke zu präsentieren, zeige, dass wir hier durchaus eine junge Theaterlandschaft vorzuweisen haben, so Leonard weiter.
Bei den Schultheatertagen, einer Zusammenarbeit von Volkstheater und staatlichem Schulamt, geht es darum, dass sich Schüler aller Schulformen mit ihren Theaterprojekten auf der Bühne des Volkstheaters präsentieren. Ganz nebenbei können sie während der drei Tage in Workshops auch noch etwas dazulernen.

In diesem Jahr gibt es vier dieser Workshops, die jeweils am Morgen vor den Präsentationen der Theaterstücke angeboten werden. Neben einem Tanzworkshop des Tanztheaters, einem „Schwarzlichttheater“-Workshop und einem zum Thema Rhythmus, gibt es auch einen zum Thema „Improvisation“, um den sich Schauspieler vom Theater am Ring kümmern.
„Wir wollen das ein bisschen stummfilmmäßig zum Thema „Warten“ machen“, verriet Karsten Voigt, der schon seit vier Jahren an den Workshops beteiligt ist. Er ist gespannt, wie sich das Ganze entwickeln wird: „Es kommt immer darauf an, was uns die Schüler geben. Entweder sie ziehen mit oder man geht auf die Vorschläge ein, die sie einbringen.“
Die Ergebnisse der Workshops werden dann ebenfalls auf der Bühne im Stadthafen präsentiert. Danach geht es mit den eigentlichen Theaterstücken los. „Das hier ist der Höhepunkt eines ganzen Jahres Arbeit“, sagte Torsten Malter, Koordinator für Darstellendes Spiel vom Schulamt. „Es ist schön, dass die Schüler außerhalb ihrer Schulen zeigen können, was sie gemacht haben.“

Dass es bei der ganzen Sache aber nicht ausschließlich ums Präsentieren geht, weiß Janny Fuchs, Kinder- und Jugenddramaturgin am Volkstheater. „Sie spielen nicht nur für ihre Eltern, sondern auch für andere Gruppen“, sagte sie. „So kann man auch mal gucken, wie die anderen so arbeiten.“ Deswegen werden auch nicht nur die bereits fertigen Stücke gezeigt, sondern auch Ausschnitte von noch nicht abgeschlossenen Arbeiten, damit alle die Chance bekommen auf der Bühne zu stehen.
Gestern waren bereits die ersten Stücke zu bestaunen. Den Anfang machten die Schüler der fünften Klasse der Kooperativen Gesamtschule in der Südstadt, die einen Ausschnitt aus „The Wizard of Oz“ komplett in Englisch vortrugen. Auch das Stück „Die gestohlene Uhr“ von Schülern der achten und neunten Klasse der Gesamtschule der Südstadt überzeugte mit seinen gereimten Dialogen.

Neben einer modernen Fassung von „Romeo und Julia“ der neunten Klasse des Erasmusgymnasiums, gab es außerdem die ersten beiden Versionen von „Der Herr der Fliegen“ zu sehen. Zufälligerweise gibt es davon nämlich gleich drei in diesem Jahr. Mit einem Ausschnitt präsentierten sich zum Beispiel Schüler der achten und neunten Klassen vom Schulcampus Evershagen. Ihr Stück „Inselparadies“ wird sich zwar aus mehreren Stücken zusammensetzen, beginnt aber mit dem Stranden auf einer einsamen Insel. „Wir waren schon sehr aufgeregt, weil wir das so vor Publikum das erste Mal gemacht haben“, verriet Manuela Koslowski, eine der Schülerinnen aus Evershagen.
Die Europäische Wirtschafts- und Sprachenakademie musste ihre Version von „Der Herr der Fliegen“ etwas abwandeln, weil sich nur weibliche Schauspielerinnen fanden. Kurzerhand wurden so aus den männlichen Rollen einfach Frauen.
Den krönenden Abschluss des gestrigen Tages bot das Stück „Kann denn Schlager Sünde sein?“, das von der zwölften Klasse des Gymnasiums „R. Wossidlo“ in Ribnitz-Damgarten präsentiert wurde. Basierend auf Berthold Brechts „Die Sieben Sünden der Kleinbürger“ inszenierten sie eine Reise durch Amerika, die von Schlagermusik begleitet wurde. Nicht nur das Schauspiel, sondern auch die Tanzszenen und die Musiker, die eigens dafür auf der Bühne standen, begeisterten durch und durch.

Man darf also gespannt sein, was die nächsten zwei Tage noch für Perlen bereithalten. Ausschnitte aus Stücken wie „Herzsalat“ vom Theaterjugendclub 3 oder der dritten Version vom „Herrn der Fliegen“, „Das Heer der Fliegen“ vom Theaterjugendclub 2, stehen auf dem Programm. Den Abschluss der Schülertheatertage wird die öffentliche Generalprobe des Stücks „Das Weiberregiment“ des Theaterjugendclubs 1 bilden.
Wer also Lust hat sich einen Eindruck der jungen Theaterlandschaft in Rostock und Umgebung zu verschaffen, kann das heute und morgen ab 16 Uhr im Theater im Stadthafen tun. Das Programm findet sich auf der Homepage des Volkstheaters.