Ausstellung „Showing Balls“ in der Galerie am Alten Markt

Innerhalb der Reihe „Junge Künstler“ eröffnete gestern die Künstlergruppe „Schaum“ ihre Ausstellung in der Galerie am Alten Markt

16. April 2011, von
Janet Zeugner, Alexandra Lotz, Marc W1353L, Wanja Tolko und Tim Kellner
Janet Zeugner, Alexandra Lotz, Marc W1353L, Wanja Tolko und Tim Kellner

Schaum” hieße ihre Künstlergruppe, weil sie genauso wie Schaum auf dem Wasser sein sollte, erzählte Janette Zeugner. Trotz der Gruppe sollten sie immer noch „einzelne Künstler sein, die miteinander verknüpft sind, aber auch wieder auseinanderplatzen können.“

So schön anzusehen wie Schaum sind die Werke der fünf Künstler Alexandra Lotz, Tim Kellner, Wanja Tolko, Marc W1353L und Janet Zeugner auf jeden Fall. Sie aber als aussagelose Luftblasen abzutun, wäre ein Fehler.

Schon der Anfang der Ausstellungseröffnung war so ungewöhnlich, wie die Ausstellung selbst. Es gab keine lange Rede, dafür aber viel Sinn. Die Fünf standen um einen Tisch herum, der unter dem Titel „Recycling“ ebenfalls Teil der Ausstellung ist und bereits mit einer Metallplatte und Hämmern bestückt war.

"Eva" von Tim Kellner und Wanja Tolko
"Eva" von Tim Kellner und Wanja Tolko

Aus einem Baueimer holten sie in ihrer Performance alte, verbogene Nägel hervor, schlugen sie mithilfe der Hämmer gerade und tüteten dann jeweils drei zusammen ein. Anschließend mit dem Schaum „S“ versehen, konnten die Besucher der Eröffnung besagte Tütchen kaufen und mit nach Hause nehmen.

Natürlich ging es bei der ganzen Sache nicht bloß um das Geradebiegen von Nägeln. Wanja Tolko erzählte im Anschluss, warum sie sich für eine solche Einleitung entschieden hatten: „Dadurch, dass die ganze Ausstellung so bedeutungsschwanger daherkommt, lag es für uns auf der Hand, den Anfang auch so zu gestalten.“

"Adam" von Tim Kellner und Wanja Tolko
"Adam" von Tim Kellner und Wanja Tolko

Welche Bedeutung für sie dahinter steckte, verriet Alexandra Lotz: „Es symbolisiert den Kraftverlust der Religion. Der Kirche rennen heute mehr und mehr die Leute weg.“ Den Grund dafür erklärte sie so: „Sie zehren immer noch davon, dass vor rund 2000 Jahren jemand ans Kreuz genagelt wurde. Vielleicht muss ein neues Wunder geschaffen werden.“ Genau dieses wollten sie mit dem Geradebiegen und schön verpacken der Nägel erschaffen. Ganz frei von Ironie sei das natürlich nicht zu betrachten, so Lotz.

Das Thema Religion ist auch in einigen der anderen Werke zu finden. Das große Überthema allerdings sind die Werte in unserer Gesellschaft im Ganzen. Sei es nun eben unser Verhältnis zur Religion, zur Kunst oder zu ganz persönlichen Werten jedes Einzelnen. Inwieweit verschieben sich all diese Dinge und was steckt vielleicht dahinter. Genau das zu hinterfragen, haben sich die Fünf mit ihren Werken zur Aufgabe gemacht. Daher trägt die Ausstellung auch den Titel „Showing Balls“. Es ginge vor allem darum Dinge anzusprechen, die vielleicht nicht immer offenkundig ausgesprochen werden, so Lotz.

"Billigkunst"
"Billigkunst"

Die Ausstellung reicht dabei von Installationen über Drucke und Fotografien bis hin zu Zeichnungen. Dabei sei es zunächst gar nicht so wichtig gewesen, welche Materialien verwendet wurden. Alle fünf Künstler hatten teilweise mit Dingen gearbeitet, die für sie normalerweise eher untypisch sind. „Die Aussage sucht sich die Materialien“, erklärte Alexandra Lotz.

So finden sich gleich gegenüber vom Eingang fünf Drucke von Werken der Künstler, die in Plastikrahmen präsentiert werden. Es mussten ganz klar Drucke sein, weil man diese so einfach und häufig vervielfältigen kann. In Verbindung mit den Plastikrahmen verdeutlicht das den Wandel von Kunst zu einem bloßen Konsumgut in unserer heutigen Gesellschaft. „Es hat keinen Wert mehr das Original zu haben“, verdeutlicht Janet Zeugner.

Birgit Scholz neben der Installation "Kreuzotter"
Birgit Scholz neben der Installation "Kreuzotter"

Neben weiteren Drucken, die mit verschiedensten Techniken hergestellt wurden, finden sich aber auch Bilder, die mit Graphit, Buntstift, Aquarell-Technik und Tusche gemalt und gezeichnet wurden. In der Mitte des Ausstellungsraums befinden sich außerdem die schon erwähnten Installationen, wie zum Beispiel der Tisch aus der Anfangsperformance.

„Die Ausstellung zeigt, dass man auch aus einfachen Dingen etwas machen kann“, meinte Birgit Scholz. „Das ist mal was ganz anderes.“ Ihr gefiel ganz besonders die Installation „Das ist kein Kreuz“ von Wanja Tolko. „Das sieht so aus wie Mann und Frau“, stellte sie fest. „Da ist so eine Verbundenheit zwischen den beiden Teilen, als würden sie ineinander gehören.“

"Das ist kein Kreuz"
"Das ist kein Kreuz"

Ob das wirklich der Gedanke des Künstlers war, sei dahingestellt. Den Künstlern ist auf jeden Fall bewusst, dass nicht alle Bedeutungen dem Besucher gleich ins Auge springen: „Auf den ersten Blick wirken die Bilder vielleicht profan, aber es steckt ein ganz großer Gedanke dahinter“, stellte Alexandra Lotz fest. „In erster Linie ist alles befremdlich, es soll aber zum Nachdenken anregen.“

Wer sich zum Nachdenken anregen lassen möchte, kann das noch bis zum 21. Mai in der Galerie am Alten Markt tun. Diese ist immer dienstags bis freitags von 11:00 bis 18:30 Uhr und samstags von 9:30 bis 15:30 Uhr geöffnet.

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