Bohème! – Musik aus Böhmen und Mähren
Kammermusikfestival 2011 der Hochschule für Musik und Theater
8. Juni 2011, von Stefanie
Musik aus Böhmen und Mähren – das ist mehr als Schunkelmusik von der Blaskapelle. Davon kann man sich noch bis zum Samstag in der Hochschule für Musik und Theater (HMT) überzeugen. Mit Lesungen, Gesprächen, Filmvorführungen und natürlich musikalischen Aufführungen können Besucher des Kammermusikfestivals 2011 Einblicke in die tschechische Musik gewinnen.
Gestern wurde das Festival mit einem Konzert im Katharinensaal eröffnet. Eingestimmt wurde es zuvor mit einer Trompetensonate des barocken böhmischen Komponisten Ignaz Franz Biber, die sieben Studenten von oben über das Foyer erklingen ließen.

In dem über zweistündigen Konzert präsentierten die Studenten dann einen kleinen Vorgeschmack auf die Vielfalt der Musik aus Böhmen und Mähren, die in den kommenden Tagen auf dem Programm steht. Dennoch „wird nur ein kleiner Teil dieser so reichen Tradition aufgegriffen“, kündigt Rektor Professor Christfried Göckeritz an.
Wie bei einem Kammermusikfestival nicht anders zu erwarten, spielten die Musiker ausschließlich in kleiner Instrumentenbesetzung. Das größte Ensemble bildete das Nonett der HMT. Mit einem vitalen Stück von Bohuslav Martinů gaben sie den Auftakt. Es folgten verschiedene andere Formationen und Solisten. Sie stellten nicht nur Stücke berühmter Vertreter der tschechischen Musik wie Antonín Dvořák vor, auch weniger bekannte Komponisten waren zu hören.

Eine prominente Rolle unter den Instrumenten spielten dabei immer wieder die Bläser, die die regionalen Eigenheiten in den klassischen Stücken besonders gut zur Geltung brachten. Wurden doch in Böhmen gerade beim Bau von Blechblasinstrumenten wertvolle Beiträge geleistet. Klavier, Streicher und Gitarre bereicherten die klangliche Vielfalt, die vom flotten Florentiner Marsch eines Julius Fucik bis zum sommerleichten Notturno von Wenzeslaus Matiegka abwechslungsreiche Stimmungen bot.

Mit dem Eröffnungskonzert war der musikalische Abend aber noch nicht zu Ende. Im Kammermusiksaal folgte ein Nachtkonzert, das sich der „Kreutzer-Sonate“ widmete. Ein Titel, der gleich an drei Werke vergeben wurde, die sich auch alle aufeinander beziehen. Zuerst gab es die Violinsonate von Ludwig van Beethoven. Der russische Schriftsteller Lew Tolstoi ließ sich davon für seine Novelle inspirieren, die wiederum Grundlage für das Streichquartett des tschechischen Komponisten Leoš Janáčeks war. Die abwechselnde Darbietung beider Stücke des Schauspielstudenten Lukas Umlauft und der Musikstudenten zeigten die gegenseitigen Bezüge von Literatur und Musik besonders eindrücklich.
Auch in den nächsten Tagen sollen bestimmte thematische Aspekte der Musik aus Böhmen und Mähren vertieft werden. So wird es unter anderem um Kompositionen aus dem Theresienstädter Ghetto gehen. Hierfür ist es dem Zentrum für Verfemte Musik gelungen, die Zeitzeugin Anna Hanusová-Flachová einzuladen.
Weitere Einzelheiten zum Programm findet ihr auf der Website der HMT.