Kreativer Marktplatz „Ponyhof“

Open Air-Verkauf von Handarbeiten und Secondhand

18. Juli 2011, von
Charlotte Berger hat den Ponyhof ins Leben gerufen
Charlotte Berger hat den Ponyhof ins Leben gerufen

Wenn man die Menschen auf der Straße fragen würde, was in Rostock fehlt, gäbe es sicherlich viele Antworten. Für Charlotte Berger gab es nur eine: ein Netzwerk für die vielen kreativen Köpfe in Rostock. Ihre Idee vom Kreativmarkt „Ponyhof“ verwirklichte sie das erste Mal Anfang des Jahres im „Warmbad“. Schnell sprach sich die gute und günstige Möglichkeit für junge Künstler ihre Produkte bekannt zu machen oder gleich zu verkaufen herum. „Für den Ponyhof gab es beim zweiten Mal so viele Anmeldungen, dass wir einige vertrösten mussten, weil die Fläche einfach zu klein war“, berichtete Charlotte Berger. Auch deshalb fand der Kreativmarkt am letzten Sonntag an einem anderen Ort, nämlich unter freiem Himmel am Brink statt.

Die Idee für das Label "Jawoll" kam Karl (r.) beim Snowboarden
Die Idee für das Label "Jawoll" kam Karl (r.) beim Snowboarden

Das Wetter war zwar etwas launisch, doch die meiste Zeit kamen die Stände ohne Regenschutz aus und die Sonntagsspaziergänger konnten sich in Ruhe alles ansehen. Und zu sehen gab es viel: Ständer mit Secondhand-Kleidung, Fotografien, selbst gefertigten Schmuck oder gehäkelte Mützen. Und diese stammten nicht etwa von ein paar Großmüttern, nein von drei 17-jährigen Rostockern. Karl, Felix und Klaas haben fleißig gehäkelt und stehen hinter einem Tisch voller bunter Mützen. Momentan sind sie noch in der Anfangsphase ihres Projekts „Jawoll“. Bald soll es eine Homepage geben, auf der die Käufer ihre Mützen individuell, nach Muster oder Farbe, bestellen können. Zwei Stände weiter stehen Kristina und Anne und bieten selbst gemachte Schmuckstücke an. Doch in Zukunft wollen auch sie ihre Produkte nicht mehr nur auf Märkten, sondern zusätzlich auf der Internetseite „DaWanda“ verkaufen. Interessant sind vor allem die Bestandteile ihres Schmucks. Die hatten früher oft eine andere Bestimmung, seien es Teile einer zerlegten Kette von Oma oder kleine Holzscheiben. „Ich liebe es, wenn ich Dinge zweckentfremden kann“, so Anne.

Ponyhof 2011 am Brink
Ponyhof 2011 am Brink

Verbunden mit den ersten beiden Ponyhofveranstaltungen war immer eine Party mit jungen DJs aus Rostock. Die wurden nun kurzerhand auch zum Brink bestellt und sorgten bei Standbesitzern und Verkäufern für gute Laune. Ein Highlight des Tages war die Auszeichnung der „schönsten Stallung“, also des kreativsten Standes, durch eine unabhängige Jury. Zu gewinnen gab es einen extra für diese Zwecke angefertigten Pokal. Und den durfte das Künstlerkollektiv „Weird_ARTicle“ mit nach Hause nehmen. Die Maler und Designer Maria, Riccardo, Arne und Jörn freuten sich über den Sieg ihres Stands, für dessen Aufbau sie eine Stunde gebraucht haben. Doch wer von den Vieren darf den Pferdepokal behalten? „Der wandert jetzt von einem zum anderen“, erklärte Jörn.

Ohrringe aus alten CDs verkaufte die Studentin Nina
Ohrringe aus alten CDs verkaufte die Studentin Nina

Neben den großen und auffälligen Ständen boten auch kleinere die Möglichkeit, Überraschendes zu entdecken. So wie die Ohrringe von Nina. Die 20-Jährige fertigt ihren Schmuck aus alten CDs an. „Ich schneide mit dem Cutter eine Form aus, ritze ein Muster hinein, verziere sie vielleicht noch mit Blattgold und schiebe dann alles in den Ofen.“ Am Ende müssen die Ohrringe noch abgeschliffen und mit kleinen Häkchen versehen werden. So entsteht nicht nur einzigartiger und fantasievoller Schmuck, auch die Umwelt wird durch das Recycling geschont.

„Als Einzelner ist es schwer, Aufmerksamkeit zu bekommen und sich gegen die alteingesessenen Künstler durchzusetzen. Dafür gibt es den Ponyhof“, fasste Charlotte eine der vielen Aufgaben und Vorteile des Kreativmarkts zusammen. Der Name „Ponyhof“ kommt übrigens nicht von ungefähr, wie Charlotte mir erklärte. „Er geht zurück auf die Floskel ‚Das Leben ist kein Ponyhof‘. Ich habe mich immer gefragt, wieso das so sein muss. Und da ich denke, dass Kreativität Freiraum braucht, wollte ich das Leben, zumindest bei dieser Veranstaltung, doch zum Ponyhof machen.“

Die Gewinner der schönsten Stallung: Maria, Arne, Riccardo und Jörn von "Weird_ARTicle"
Die Gewinner der schönsten Stallung: Maria, Arne, Riccardo und Jörn von "Weird_ARTicle"

Der nächste Ponyhof ist schon in Planung, genauso wie eine Homepage, auf der die wichtigsten Infos rund um den Kreativmarkt zu finden sein werden. Mitmachen kann jeder, der schöpferisch tätig ist und seine Produkte anbieten oder sich mit anderen Künstlern darüber austauschen will. Und natürlich wird es wieder eine Prämierung der „schönsten Stallung“ geben. Man darf also gespannt sein, was in den kreativen Köpfen und Werkstätten bis dahin entsteht.

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