Highlights der Physik 2011 - Auftaktshow in der Stadthalle
Der Ernst des Lebens kann auch Spaß machen – mit Live-Experimenten, Zaubertricks, Quiz und Artistik erklärt Ranga Yogeshwar in der Highlights-Show Zusammenhänge zwischen Physik und Medizin
28. September 2011, von Stefanie
„Physik gefällt mir sehr gut“, lautet die Ansage von Carsten, der eine sechste Klasse in Bad Doberan besucht. Gestern Abend in der Stadthalle Rostock stellte er sich freiwillig für ein Experiment zur Verfügung. Aufgefordert dazu hatte Ranga Yogeshwar, der den offenen und interessierten Jungen auf der Bühne begrüßte. Leichtes Spiel also für den bekannten TV-Moderator, der vor 2500 Stadthallenbesuchern angetreten war, um Begeisterung für die Physik zu wecken. Mit „Unterhaltung und Erkenntnis“, so sein ausdrücklicher Anspruch der Highlights-Show, die eine ganze Woche voller „Highlights der Physik“ einleitete.

Es handelt sich dabei um ein Wissenschaftsfestival, das seit 2001 vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft veranstaltet wird und in jedem Jahr in einer anderen Stadt gastiert. In diesem Jahr haben die Wissenschaftler ihre Zelte auf dem Neuen Markt in Rostock aufgeschlagen. Mit Experimenten, einer Ausstellung und Vorträgen wollen sie noch bis zum 6. Oktober auf unterhaltsame Weise die Zusammenhänge zwischen Physik und Medizin erklären und erlebbar machen.

Das diesjährige Thema „Röntgen & Co“ stellte auch bei der Highlights-Show den ersten inhaltlichen Schwerpunkt dar. Die unterschiedlichen bildgebenden Verfahren zur Diagnose des menschlichen Körpers wurden mit einem Versuch demonstriert, auf den sich der Rostocker Radiologe Dr. Steffen Meißner einließ. Er sollte herausfinden, was auf Ultraschall-, Röntgen-, Computertomografie- und Kernspintomografieaufnahmen zu sehen ist. Durch lautes Denken ließ er die Zuhörer an der Modellierung seiner Erkenntnisse teilhaben und veranschaulichte so die Möglichkeiten der Medizintechnik. Letzte Zweifel aber blieben beim Mediziner.
„Vertrauen Sie Ihrem Instinkt. Sie dürfen jetzt nicht zu intellektuell rangehen“, empfahl ihm Ranga Yogeshwar, der sich zwischendurch immer mal wieder zu einem Dieter-Bohlen-Bashing hinreißen ließ und so seinen intellektuellen Anspruch betonte.

„Ein Hamburger“, so die richtige Antwort von Steffen Meißner, die das amüsante und lehrreiche Ratespiel beendete.
Und wie sieht das Ganze nun beim Menschen aus? Bei dieser Frage kam schließlich Carsten ins Spiel, der in einen Kernspinsimulator geschoben wurde. „Die gute Nachricht: Du hast ein Gehirn“, beruhigten ihn die Wissenschaftler zur Belustigung des Publikums. Das Bild seines Kopfes erschien auf großen Leinwänden und wurde erläutert. Leider jedoch, ohne auf die entsprechenden Stellen zu zeigen, sodass das „Hier“ und „Da“ für Nichteingeweihte unsicher bleiben musste.

Der methodische Fauxpas sei jedoch verziehen, verstand es Fernseh-Physik-Lehrer Yogeshwar ansonsten ganz gut, den zweistündigen Frontalunterricht (sitzen, sehen, hören) in der Stadthalle zu einer abwechslungsreichen Show aufzumotzen. Natürlich nicht ohne ein großes Team an Helfern, darunter vielen Rostocker Studenten und weiteren Wissenschaftlern, die ihr Tätigkeitsfeld mit spannenden Experimenten vorstellten.
Zwischendurch lockerten Varieté-Nummern von Artisten, Musikern und Comedians das Programm auf und brachten das Publikum zum Staunen und Lachen.

Unterstützung erhielt Yogeshwar auf der Bühne auch von Dietrich Grönemeyer, der nicht nur als Bruder von Herbert, sondern auch als Arzt bekannt geworden ist. Mehrere medizinische Ratgeber hat er schon verfasst und überreichte diese auch gern an die erfolgreichen Quizkandidaten der Highlights-Show. Für alle Zuhörer hatte er darüber hinaus jede Menge statistische Zusatzinformationen und Ratschläge parat. „Turne bis zur Urne“ war so einer, den er einer pensionierten Ärztin mit auf den Weg gab, als diese gerade nach einem Quiz die Bühne wieder verlassen wollte.
Und was haben die Zuschauer sonst noch so mitgenommen? Ist Physik jetzt interessanter geworden?

„In der Schule finde ich Physik nicht so schön, weil es manchmal sehr uninteressant ist. In der Show gab es viele Experimente. Dadurch war es sehr anschaulich und viel spannender als in der Schule“, sagt die sechzehnjährige Ellen, die mit ihrer Familie die Highlights-Show besuchte.
Ein Anliegen der Veranstalter war es, jungen Menschen die beruflichen Perspektiven des Faches zu zeigen, gerade auch für Frauen. Dazu sagt die Werkstattschülerin: „Ich finde gut, dass es auch Frauen in diesem Fach gibt, aber mich selber begeistert es nicht so. Ich werde später auf jeden Fall nicht in Richtung Physik gehen.“
Ihrem dreizehnjährigen Bruder Paul hat die Show auch gut gefallen. Erst im nächsten Halbjahr wird er sich der Physik auch im Unterricht widmen können.