6. Rostocker Kunstpreis 2011 - Ausstellung der Nominierten

Udo Dettmann, Silke Koch, Susanne Rast, Matthäus Thoma und Dirk Wunderlich stellen Plastiken, Skulpturen und Objekte in der Kunsthalle aus

5. November 2011, von
Nominierte des Rostocker Kunstpreises 2011
Nominierte des Rostocker Kunstpreises 2011

Plastiken, Skulpturen und Objekte wetteifern in diesem Jahr um den Rostocker Kunstpreis. 47 Bewerbungen waren seit Juni eingegangen. Im September gab die Jury die fünf besten bekannt. Nun sind die dreidimensionalen Kunstwerke von Udo Dettmann, Silke Koch, Susanne Rast, Matthäus Thoma und Dirk Wunderlich in der Kunsthalle Rostock zu sehen. „Wenn Sie einen Rundgang durch die Ausstellung machen, können Sie die Vielfalt, die dieses Land an künstlerischen Positionen bietet, in diesen fünf Nominierten wunderbar ablesen“, lädt Alexander Ludwig, Vorsitzender des Kunsthallen Fördervereins, bei der Eröffnung zu einer Besichtigung ein.

Noch bis zum 4. Dezember kann die Schau für vier bzw. zwei Euro besucht werden. Am 26. November findet schließlich die Verleihung des Rostocker Kunstpreises statt. Mit 10.000 Euro, die von einer Versicherung gestiftet werden, sei er der höchstdotierte Einzelpreis für künstlerisches Schaffen in Mecklenburg-Vorpommern und könne damit auch dem Vergleich mit Kunstpreisen in anderen Bundesländern standhalten, betont Professor Dr. Wolfgang Methling. Der Vorsitzende der Kulturstiftung Rostock, die den Rostocker Kunstpreis initiiert, erklärt: „Wir wollen mit dem Rostocker Kunstpreis vor allem Künstlerinnen und Künstler aus Rostock und der Region oder deren Wirken Bezug zu unserer Region hat, würdigen.“

Schon die Nominierung soll die Wichtigkeit der Künstler hervorheben. Zum ersten Mal wurde deshalb ein Katalog publiziert, in dem die Arbeiten der Finalisten vorgestellt werden.

Doch wer wird den Preis gewinnen?

Udo Dettmann
Udo Dettmann

Udo Dettmann vielleicht? Der 1950 in Kolberg geborene Künstler lebt und arbeitet in Lübstorf am Schweriner See. Eigentlich kommt er aus der Malerei. Doch die Fläche reichte ihm irgendwann nicht mehr aus. Seine zeichnerischen und malerischen Arbeiten wurden körperlich. Während Maler einen Strich mit dem Pinsel malen, benutzt Udo Dettmann Schnüre, wie bei seiner Installation „Kastor und Pollux III“ zu sehen. Eine andere Form in den Raum zu gehen, bilden seine Boxen und Kästen, zu denen er ein Pendant aufstellt, die sich von einem Betrachtungspunkt gleichen. Geht man um das Werk herum, verschwindet dieser Zusammenhang jedoch. Durch die Bewegung entstehen Geräusche, ein Kunstwerk also, das nicht nur den Sehsinn anspricht.

Silke Koch
Silke Koch

In Bewegung waren auch „Die Strandperlen vom Heiligen Damm“, die Silke Koch im Atrium der Kunsthalle als Boule-Spiel platziert hat. Die 1964 in Leipzig geborene und in Berlin und Leipzig arbeitende Künstlerin nimmt mit weißen Porzellankugeln auf minimalistische Weise Bezug zu der vielschichtigen Geschichte des ältesten Ostseebades in Mecklenburg. „Ein spannendes Feld einzigartiger Geschichte. Dabei bleiben die Einflussfaktoren und deren Bewertung in ständiger Veränderung. Dieses Spannungsfeld habe ich auf ein Boule-Spiel übertragen“, erläutert Silke Koch, die sich in ihrer Arbeit gern gesellschaftspolitischen Themen zuwendet.

Matthäus Thoma
Matthäus Thoma

Den Eindruck von tänzerischen Bewegungen will Matthäus Thoma mit Holzkonstruktionen vermitteln, die er für einen Tanzsaal in Wiesbaden anfertigte. Die sind zumindest so groß, dass sie in das Rostocker Ausstellungshaus hineinpassen. „Ich baue meist Vorort direkt in der Architektur “, erklärt Matthäus Thoma. Sein Baumaterial besteht aus groben Holzleisten. Damit fertigt er riesige Gebilde an. Auch in Vorpommern, in Starkow und in der Stralsunder Jakobikirche, haben schon Arbeiten des Wahlberliners gestanden. Unter freiem Himmel vergrauen sie und werden wieder dekonstruiert. „Es ist ein Kreislauf. Es kommt aus der Bewegung und steht einen Moment still. Es gehört dazu, dass es eine bestimmte Lebensdauer hat. Das Produzieren von Skulpturen für die Ewigkeit liegt mir nicht so am Herzen“, sagt Thoma, der 1961 in München geboren wurde.

Susanne Rast
Susanne Rast

Eine Vorliebe für das Holz, insbesondere Eichenholz, hat auch Susanne Rast. Die 1962 in Rostock geborene Bildhauerin arbeitet ganz klassisch und schlägt aus ihrem Material Figuren. Eine Reihe von Engeln sind so beispielsweise entstanden, obwohl sie überhaupt nicht religiös ist, wie sie bekennt. „Es geht um Eigenschaften von Menschen, die ein bisschen verloren gehen in dieser Zeit, wie Stille und Vergeistigung“, erklärt Susanne Rast, die ihren Blick besonders den Schwachen zuwendet. Verharren, Aufbrechen und Trauer – die Künstlerin schöpft aus eigenen Erlebnissen und versucht diese dann ins Allgemeine zu rücken, ohne unpersönlich zu werden. „Ich versuche mich eigentlich an die Psyche, an die Form und die Komposition dessen, was ich darstellen will, heranzutasten.“ Um sich der Stimmung zu nähern, ohne gleich mit der Säge zu agieren, entstehen Zeichnungen. Mittlerweile stehen diese auch für sich selbst und sind ebenfalls in der Ausstellung zu sehen.

Dirk Wunderlich
Dirk Wunderlich

Der fünfte Finalist beim diesjährigen Rostocker Kunstpreis ist Dirk Wunderlich. Er wurde 1961 in Berlin geboren, lebt und arbeitet – wie Susanne Rast – in Kneese. Seine Figuren werden in der Kunsthalle in beleuchteten Vitrinen präsentiert. Würden sie sonst vielleicht flüchten? Organische Formen lassen sie wie erstarrte Lebewesen aus einer mikrokosmischen oder außerirdischen Welt erscheinen. Als Ausgangsmaterial dienen ihm Fundstücke aus der Natur. Ein Skelettteil beispielsweise, das er durch Drahtgeflechte oder Bambusstäbe in seiner Form erweitert und mit Kunstharz überspannt. So werden seine Arbeiten „geboren und in die Welt entlassen“, wie er es selbst ausdrückt.

Ob er mit dieser Arbeit die Rostocker-Kunstpreis-Jury überzeugen kann? In ein paar Wochen werden wir es erfahren. Bis dahin schaut euch doch die Ausstellung selbst an. Dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr sind die Türen der Kunsthalle am Schwanenteich geöffnet.

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