8. Rostocker Koggenzieher 2012
Kabarettisten und Stand-up-Comedians kämpfen bis Sonntag an der Bühne 602 um den Rostocker Kabarettpreis
2. März 2012, von Stefanie
Die besten Kabarettisten und Stand-up-Comedians werden an diesem Wochenende in der Bühne 602 gesucht. Bereits zum achten Mal wird der Rostocker Koggenzieher in unserer Hansestadt verliehen. Über 40 Komik-Künstler aus ganz Deutschland bewarben sich in diesem Jahr für den Kabarettpreis. Zwölf Einzelkünstler, Duos und Gruppen sind durch die Vorauswahl gekommen und stellen sich nun an drei Abenden dem Rostocker Publikum vor. Und weil die Trennlinien nicht immer scharf zu ziehen sind, wurden neben klassischen kabarettistischen Nummern auch Comedyeinlagen ins Programm genommen.

Den Anfang machte gestern Mia Pittroff. Eine Premiere, denn zum ersten Mal wurde der Wettbewerb von einer Frau eröffnet, wie die Moderatoren, das Rostocker Kabarettduo Dietrich und Raab, betonten. Überhaupt sind in diesem Jahr wieder einige Damen vertreten, nachdem der Wettstreit 2011 allein unter den Herren ausgemacht wurde.
Doch würde Mia Pittroff auch genug Talent mitbringen? Drei Kabarettpreise hat sie ja schon gewonnen. Geboren in Bayreuth – der Stadt, an deren Universität Ex-Bundesminister zu Guttenberg seine Abschlussarbeit (ab)schrieb – gibt sie jedoch gleich zu Beginn zu: „Das Programm, das ich spiele, habe ich nicht selber geschrieben.“ Das erste Thema, die Plagiatsaffäre, war also gesetzt. Es folgten weitere, in denen sie sich mit Absurditäten des Alltags, die in den modernen Kommunikationsmitteln oder in zwischenmenschlichen Beziehungen lauern, befasste und auch mal ein Liedchen dazu trällerte.

Schwermut machte sich zunächst auf der Bühne breit, als die Buschtrommel an der Reihe war. Kein Wunder hält doch das Leben und vor allem die Politik einige Zumutungen bereit, auf die Ludger Wilhelm und Andreas Breiing in den Ausschnitten ihres Programms „Tunnel am Ende des Lichtes“ mit feinstem politischen Kabarett eingehen. Da bleibt auch dem Publikum schon mal das Lachen im Halse stecken. Ihren Willen zur Leichtfüßigkeit demonstrierten der Sauerländer und der Münsteraner schließlich mit einem amüsant choreografierten Koffertango.

Eindeutig zu viel in die Röhre schaut das Parkbankduo. Ist das Publikum schon genervt von den immer gleichen blöden TV-Formaten, darf es nun über die schnodderigen Kommentare zu Koch- und Castingsshow von Tumbrinck und Stani lachen.

Immer ein Lächeln auf dem Gesicht, dazu süß sanfte Pianoakkorde hält Newcomer Sebastian Nitsch bereit. Doch so richtig kuschelig macht der Berliner es dem Publikum nicht. Mit bissig bösen Wendungen verhindert er ihr Wegträumen und schafft so eine spannende Ambivalenz, die sowohl bei der Jury als auch beim Publikum ausgesprochen gut ankommen. Knapp kann er die erste Vorrunde des 8. Rostocker Koggenziehers für sich entscheiden.
Heute Abend folgt die zweite. Hier treten ab 20 Uhr Maxi Gstettenbauer, Vocal Recall, Dalila Abdalla und Peter Marty sowie das Kabarett Zweibeiner gegeneinander an. In der dritten und letzten Vorrunde am Samstagabend kämpfen schließlich Ulrike Mannel, Tilman Lucke, Eva Eiselt und Matthias Reuter um den Einzug ins Finale. Das wird dann am Sonntagabend ausgetragen. Die drei Vorrundengewinner werden dann noch einmal alles geben, um sowohl die Jury, als auch das Publikum zu überzeugen und den „Goldenen Rostocker Koggenzieher“ mit nach Hause nehmen zu dürfen. Doch bevor der Gewinner die Heimreise antreten kann, darf er am Montag einen ganzen Abend lang sein Programm an der Bühne 602 präsentieren.