Premiere von „Totentanz“ im Theater im Stadthafen
Theaterjugendclub „Spieltrieb“ nimmt das Publikum mit ins „Afterlife“
18. Mai 2012, von Andre
Es gibt ein Leben nach dem Tod, zumindest beim „Totentanz“ des Theaterjugendclubs „Spieltrieb“ des Volkstheaters. Denn wo Romeo und Julia mit dem Ableben der Protagonisten aufhört, beginnt das Stück der Rostocker Jugendlichen erst. Fast ein Jahr haben die Jungen und Mädchen zwischen 15 und 21 Jahren auf den großen Moment hingearbeitet und heute war es endlich soweit. Also nicht der Tod, sondern die Premiere ihres Stückes im Theater im Stadthafen.
Alles begann mit einem Schrei, wie im echten Leben. Und auch danach ging es mit typischen Themen weiter: Liebe, Freundschaft, Familie, Streit. Also alles wie immer beim Theaterjugendclub?

„Wir wollten uns bewusst nicht mit den typischen Jugendclubthemen beschäftigen, sondern mal einen Stoff probieren, an den sich noch keiner herangetraut hat“, erzählt Alex Friedland, der zusammen mit Marten Wolff und Schauspieler Jörg Schulze die Leitung des TJC und die Regie des Stückes übernommen hat.
Und so eskaliert nach wenigen Minuten ein Streit, eine Frau läuft vor ein Auto, ein Anschlag tötet mehrere Menschen und ein Soldat hängt sich auf. Der Bühnentod bringt die Antwort auf die Frage mit, was einen nach dem Ableben erwartet. Michael Jackson? Der Himmel? 40 Jungfrauen? Nein, denn in der Zwischenwelt warten die anderen vergangenen Seelen. Ihre Aufgabe ist es, anhand einer Liste, Menschen ins Jenseits zu befördern. So entsteht ein ewiger Kreislauf, der jedoch nicht frei von Problemen ist.

„Totentanz“ gelingt es, eine Geschichte zu erzählen, die trotz der thematischen Ernsthaftigkeit auch viele vergnügliche Momente bietet. Mit Szenenapplaus wurde zum Beispiel eine kurze Ein-Mann-Interpretation von Romeo und Julia oder eine Gruppentanzszene belohnt. Alle Schauspieler tanzten zu Michael Jackson „Beat it“ eine wirklich schnelle und gelungene Choreographie, der man nicht anmerkte, dass die Tänzer fast alle Laien sind – wirklich beeindruckend.
Auch sonst war der Abend durchweg gelungen. So wurde auf große Kulissen und ausgefallene Kostüme verzichtet und lieber mit kleinen Ideen gearbeitet, die dafür eine große Wirkung hatten. Tote Figuren bekamen mit schwarzer Farbe ein Mal, wodurch der Wechsel in die andere Welt gezeigt wurde. Eine besonders ausgefallene Idee fand ich, die Schauspieler als lebende Kulissen einzusetzen. Im Vordergrund der Bühne lag eine Schauspielerin auf dem Boden und durch die Bewegungen und Geräusche der anderen im Hintergrund wurde klar, dass wir uns gerade in einem Krankenhaus befinden.

„Es war am Anfang sehr schwer, sich mit dem Thema Tod auseinanderzusetzen, aber mit der Zeit wurde es immer besser“, erzählen Marie und Franzi. Für die beiden 15-jährigen Schülerinnen ist es die erste Erfahrung im Theaterjugendclub. Für die Klassenkameradinnen war es eine sehr schöne Zeit, aber zugleich auch sehr viel Arbeit. „Besonders in der Schulzeit war es auch immer stressig, weil man sich ja voll auf das Theater konzentrieren wollte.“ Trotzdem wollen beide auf jeden Fall wieder mitmachen, denn die gestrige Premiere brachte den Lohn für die Arbeit: „Es war hammer“, sind sie sich einig.

Ein Faktor dafür war sicher auch der tosende Applaus des Premierenpublikums, es gab sogar stehende Ovationen. Für Abkühlung sorgten die vorbereiteten Wasserpistolen. Besonders Leiter Marten war ein begehrtes Ziel auf der Bühne. „Bei einer Probe hat er eine Wasserpistole mitgebracht und sie als spaßiges Bestrafungsprinzip für verpatzte Szenen eingesetzt. Das war wohl die Rache dafür“, verrät Kollege Alex.
Den nächsten Bühnentod stirbt der Theaterjugendclub am 26. Mai im Theater im Stadthafen. Außerdem können sich interessierte Jugendliche auch schon für die nächste Spielzeit des Jugendclubs bewerben, schließlich gibt es ein Leben nach dem Tod.
Fotos 1-3: Dorit Gätjen, Volkstheater Rostock