Künstlerischer „Hausbesuch“ im Rostocker Bahnhofsviertel

Anwohner des Rostocker Bahnhofsviertels öffnen ihre Häuser für die Kunst

2. Juni 2012, von
Kunstaktion "Hausbesuch" im Bahnhofsviertel
Kunstaktion "Hausbesuch" im Bahnhofsviertel

Tag der offenen Wohnungstür im Bahnhofsviertel. Na gut, nicht jedes stand offen, aber 22 Stationen sind für den ersten Versuch der Kunstaktion „Hausbesuch“ der P.ART-Kulturinitiative schon ein sehr guter Wert. Wohnungen, Vorgärten, Kanzleien und Arztpraxen wurden so für einen Tag zu kleinen Galerien mit großem Ambiente.

Installation von Esther Dittmer in einem Treppenhaus
Installation von Esther Dittmer in einem Treppenhaus

Das Bahnhofsviertel war bisher nicht als Kunst- und Kulturzentrum der Stadt bekannt. Dass jedoch sehr wohl viel Potenzial in den Häusern zwischen Rosa-Luxemburg-Straße und Blücherstraße steckt, wollten Grit Sauerborn, Gudrun Brigitta Nöh, Janet Zeugner und Kristin Beckmann mit der ungewöhnlichen Aktion „Hausbesuch“ beweisen. Ganz normale Anwohner des Stadtteiles wurden gefragt, ob sie für einen Tag Kunstraumgeber sein wollen und viele sagten spontan begeistert zu.

Der Papierschnitt von Christoph Chciuk kam perfekt zur Geltung
Der Papierschnitt von Christoph Chciuk kam perfekt zur Geltung

Doch mit den 22 Orten war es noch nicht getan, sie mussten auch mit Leben gefüllt werden. Und auch dabei gab es wieder eine Besonderheit, denn keine Arbeiten oder Künstler wurden doppelt präsentiert. In jeder Wohnung wurden Arbeiten von einem oder mehreren Künstlern gezeigt, die dann die meiste Zeit auch anwesend waren. So bot sich neben einem ansprechenden Kunstgenuss auch die Möglichkeit, mit den Urhebern der Werke ins Gespräch zu kommen.

Barbara Wetzel und Gerhard Pfützner
Barbara Wetzel und Gerhard Pfützner

Zum Beispiel mit der Bildhauerin Barbara Wetzel. „Ich wollte nicht nur ein paar Arbeiten zeigen, sondern ein Nah-dran-Gefühl vermitteln und dafür eignet sich so eine Aktion natürlich besonders gut.“ So hat sie kurzerhand im Garten von Gerhard Pfützner unter seinem Carport eine Arbeitsstätte aufgebaut. Mithilfe einer alten Wäschemangel stellte sie live Drucke her, die vor allem alte Strommasten zeigten. „Die ins Rapsfeld gefallenen, alten Masten erinnerten mich an Fossilien von Dinosauriern und das fand ich spannend, in einen Druck zu verwandeln“, erklärt die Künstlerin, die ebenso wie ihr Gastgeber sehr von der positiven Resonanz begeistert war.

Es war am Anfang schon ein wenig befremdlich, einfach so in fremde Wohnungen zu gehen. Aber gleichzeitig war es auch spannend, einmal Mäuschen zu spielen und einen Einblick in die Leben von fremden Menschen zu haben.

Elke Watzemar und Christoph Chciuk
Elke Watzemar und Christoph Chciuk

An den 22 Standorten war auch eine große Vielfalt an Arbeitsweisen vertreten. So gab es Objekte und Skulpturen, Zeichnungen, Malerei, Fotografie und Grafiken. Letztere zum Beispiel in der Wohnung von Elke Watzemar, in der Christoph Chciuk zu Gast war. In Flur und Küche der Familie – zwischen Familienfotos und Alltagsgegenständen – wirkten die filigranen Papierschnitte und die farbenfrohen Bilder einfach. Anders als in einer Galerie wirkte das ganze Umfeld sehr natürlich und man bekam das Gefühl, als hingen die Bilder nie woanders.

Jutta Schroeder mit Aram Galstyan
Jutta Schroeder mit Aram Galstyan

„Wir haben die Bilder schon gestern aufgebaut und ich musste immer wieder in der Wohnung rumlaufen, weil das so ungewohnt und toll war“, erzählt Jutta Schroeder begeistert. Sie und ihr Mann waren die Kunstraumgeber für den Maler Aram Galstyan. Seine Bilder zeigen Alltagssituationen, wie Balkonfassaden oder eine S-Bahn, die durch kräftige Farben eine ganze neue Wirkung bekommen. „Für mich als Künstler ist es toll, die Bilder mal an der Wand zu sehen. Sonst verkauft man sie und erfährt nicht, wie sie in der Wohnung des Käufers wirken.“

Ebenso wie bei Familie Schroeder fühlte ich mich bei allen Stationen sehr willkommen. Die Stimmung war ausgelassen, die Gastgeber boten Getränke und kleine Häppchen an, die Besucher waren interessiert und das Ambiente war stimmig. Eine durchweg gelungene Veranstaltung also, die nach Wiederholung schreit. Dann vielleicht ja in ganz Rostock.

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