„Ost-Zeit-Story. Die ungespielten Lieder“ im Volkstheater

Am 4. Oktober zeigt eine Kooperation der Norddeutschen Philharmonie, der Agentur artplay und dem Putensen Beat-Ensemble fast vergessene Lieder aus der DDR

25. September 2012, von
Thomas Putensen und sein Ensemble spielen mit der Norddeutschen Philharmonie
Thomas Putensen und sein Ensemble spielen mit der Norddeutschen Philharmonie

Karat, Puhdys, Renft – diese Bands sind Klassiker der Ostrockgeschichte. Ihre Lieder sind bekannt und werden heute noch oft gespielt. Doch was ist mit den Schlagern der DDR, Schul- und Pionierliedern? Nach dem Zusammenbruch der DDR verschwanden sie fast vollständig aus den Medien und Konzertsälen. Und dieser Verbannung möchte die Co-Produktion des Chor des Volkstheaters Rostock, der Norddeutschen Philharmonie Rostock und dem Putensen Beat-Ensemble ein Ende setzen.

Johann Putensen hat fast alle Stücke neu arrangiert
Johann Putensen hat fast alle Stücke neu arrangiert

„Wir kochen da was hoch, das die Leute umhaut“, fasst Thomas Putensen das Programm kurz zusammen. Und das sieht dann so aus: Lieder, die den Bürgern der ehemaligen DDR bekannt sein dürften, sind neu für ein klassisches Orchester arrangiert und werden als Mischung von Beatmusik und Klassik dargeboten. Dabei wird das 12-köpfige Beat-Ensemble von den Sängerinnen Anett Kölpin und Adelind Pallas, 21 Orchestermitgliedern und 30 Sängern des Chors vom Volkstheater unterstützt. Im Repertoire befinden sich Titel wie „Rauchiger Sommer“, „Drahtesel“, „Die Heimat hat sich schön gemacht“ und „Unsere Heimat“. Putensen betont allerdings, dass „der Abend keine Heimattümelei werden soll.“

Peter Leonard vom Volkstheater und Thomas Putensen
Peter Leonard vom Volkstheater und Thomas Putensen

Das Ergebnis soll kein Ostalgie-Fest sein, meint der Greiftswalder Musiker. Vielmehr möchte er zeigen, „dass die DDR mehr war als Honecker, die Mauer und die schlimmen Sachen.“ Stattdessen „haben die Lieder ihren eigenen Charme, eine eigene Komposition und Kultur“, erläutert der Theaterintendant Peter Leonard weiter. Als Amerikaner kannte er viele Lieder des Programms im Vorfeld noch gar nicht. Darum wäre es ihm nun möglich, das Interessante und Unabhängige der Titel aufzuzeigen, die sonst durch ihre Geschichte mit der DDR und einigen Schattenseiten verbunden waren.

Was erwartet also die Zuschauer am Abend des 4. Oktober im Großen Haus? Sie werden überrascht sein und mit einem gewissen Witz unterhalten. Sie hören „das Beste aus Beat und Klassik mit neuen Aspekten“, fasst der Theaterintendant das einmalige Vorhaben zusammen. Im wahrsten Sinne ist es einmalig, da es nur diese eine Vorführung im Volkstheater Rostock gibt. Der Termin an sich hat schon Aussagekraft, liegt er doch zwischen dem Tag der Wiedervereinigung am 3. Oktober und dem ehemaligen Tag der Republik am 7. Oktober, weist Holger Kießling von der „Agentur artplay“ hin.

Und was erwarten die Veranstalter? Sie wollen, das es knallt: Die Zuschauer sollen sich trauen, genau die Lieder mitzusingen, die sie in der Öffentlichkeit schon lange nicht mehr gehört haben. Sie sollen diskutieren, ob man solch einen Stilmix überhaupt wagen darf. Mit der Vorstellung gehen Volkstheater und Beat-Ensemble tatsächlich ein gewisses Wagnis ein, dem sich Putensen bewusst ist: „Hau mir auf die Schnauze, aber hab mich trotzdem lieb“, ist seine Devise.

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