Gesellschaft macht Geschlecht
Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie an der Uni Rostock
2. November 2013, von Christina
Partyplakate zeigen halb nackte Frauen, Karriere-Coaches empfehlen Homosexualität in Vorstellungsgesprächen möglichst nicht offenzulegen, Trans-Personen wählen zwischen Frauen- und Männertoiletten, der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist weiterhin gering.
Nach wie vor werden in der Öffentlichkeit tradierte Vorstellungen von Weiblichkeit und Männlichkeit kommuniziert. Damit in Zusammenhang stehende Diskriminierung im Alltag sieht sehr verschieden aus und besteht nicht nur aus offenen Anfeindungen von Andersartigkeit.
Besonders Hochschulen geben sich gern offen und tolerant. Die Universität Rostock berichtet nach eigenen Umfragen, dass durch die Gleichstellungsarbeit der vergangenen Jahrzehnte die „gefühlte Gleichstellung“ relativ hoch und gerade in den letzten Jahren gewachsen sei. Diskriminierung erscheint als nicht mehr existent, jedoch blieben wichtige Themen wie Sexismus und Homophobie an der Hochschule bisher weitestgehend unbehandelt.
Deshalb sollen neben den in den universitären Gleichstellungsgremien häufiger touchierten Themen, wie ‚Studieren mit Behinderung‘ oder ‚Studieren mit Kind‘, nun auch die Diskriminierung aufgrund sexueller Identität an der Universität stärker in den Mittelpunkt gerückt werden. Um für das Thema zu sensibilisieren, starten in der kommenden Woche die „Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie“ an der Universität.
„Gesellschaft macht Geschlecht – Aktionstage gegen Sexismus und Homophobie“ ist eine bundesweite Initiative an verschiedenen Hochschulen, die von dem freien Zusammenschluss von StudentInnenschaften initiiert wurde.
„Ziel der Aktionstage ist es, das Thema Sexismus und Homophobie stärker auf die Tagesordnung zu setzen. Aufmerksam zu machen, den Facettenreichtum der Problematiken zu thematisieren und naiv wie wissenschaftlich zu diskutieren“, erklärt Christoph Behrens, Mitglied der „Gender Queer AG“ an der Uni Rostock.
Die „Gender Queer AG“ gestaltet die Rostocker Aktionswoche maßgeblich mit. Die studentische Initiative gegen Sexismus, Homophobie und Transphobie besteht momentan aus Studierenden verschiedener Disziplinen, der Gleichstellungsreferentin des AStA und der Koordinatorin für Vielfalt der Uni Rostock. Die AG ist überzeugt von der Notwendigkeit der Aktionstage in Rostock:
„Hochschulen sind nicht Sexismus- und Homophobie-frei. Diskriminierung hat viele Facetten. Auch durch die Normalisierung von Heterogenität streuen wir Ungleichheit, darüber sind sich die wenigsten Studierenden bewusst. Gerade als eine Uni, die besonders viele Lehrer und Lehrerinnen ausbildet, sollten wir lernen Diskriminierung aufzudecken und Vielfalt wahrzunehmen und zu fördern. Die Aktionstage sind wichtig, um die Grundlage dafür zu erweichen.“
Das geschieht an den Aktionstagen in einem Mix aus Film, Literatur, Kunst, theoretischen Diskussionen, Vorträgen, kreativen Workshops, Party und Musik. In Zusammenarbeit mit dem FZS, der AStA, dem QFF (Queer Football Fanclubs), Rat+Tat, dem Frauenbildungsnetz und der Vielfaltsförderung der Universität sind folgende Veranstaltungen geplant:
05.11. 19:30 Uhr HS 224/ Haus 1 Ulmencampus
Rat+Tat informiert: Homophobie und Sexismus in der Region
Im Anschluss: das Beste aus 4 Jahren Queer Filmfest-Kurzfilme
06.11. Ab 19:00 Uhr HS 224, Haus 1 Ulmencampus
„Femen – eine neue Spielart des Feminismus?“
Diskussion mit Dr. Yvonne Niekrenz und Teresa Leonard (Femen Germany)
09.11. 15:00 Uhr Bildungskeller, Haus 3 Ulmencampus
„Dekonstruktion von Geschlecht – Ende oder Zukunft der Frauenbewegung?“
13.11. 18:30 Uhr HS 124, Haus 1 Ulmencampus
Lesung aus dem Buch: „Begegnungen auf der Transfläche, Kurzgeschichten aus dem transsexuellen Alltag“
15.11. 16:00 Uhr Bildungskeller, Haus 3 Ulmencampus
„Revolutionäre Frauen – Buchvorstellung und Stencilworkshop“
→ Anmeldung unter gleichstellung.asta@uni-rostock.de
Beschränkt auf 15 TeilnehmerInnen
15.11. 19:00 Uhr HS 124, Haus 1 Ulmencampus
„Geheime Männerbünde“ – Nachrichtendienste als (H)Orte von Männlichkeit, von
Eva Jobs, Historikerin (Universität Marburg / Berlin)
16.11. 14:00 Uhr Bildungskeller, Haus 3 Ulmencampus
Wer macht hier eigentlich Geschlecht?
Über Identität, Gender & Stereotype Rollenbilder im Schulkontext
→ Anmeldung unter gleichstellung.asta@uni-rostock.de
Beschränkt auf 15 TeilnehmerInnen
16.11: 23:00 Uhr Zwischenbau
„Rainbows & Unicorns: Homophobie und Sexismus = Nein, danke!“
Herzschlagmusik aus Berlin, mit Carsten Opitz [Seifenblasenmanifest], Boy on the side und Sk.Mize
Eintrittspreis: 2€ für StudentInnen und 3€ für alle anderen
Alle Info-Veranstaltungen sind kostenfrei! Aktuelle Informationen zu den Veranstaltungen bekommen Interessenten auf dem Blog queerostock.blogspot.de und auf der Facebookseite der Gender Queer AG, die sich über alle freuen, die sich jetzt und in Zukunft mit engagieren möchten.
Quelle: Christina/Pressemitteilung