Junge Frauen werden vor amouröse Abenteuer mit Unbekannten gewarnt, da sie ja im Übermut an allerhand Verrückte geraten könnten.
Dass auch gut erprobte Möchtegern-Casanovas so manche Überraschung erleben können, wenn sie eine vermeintlich sichere Eroberung zu sich geleiten, ist allerdings weniger geläufig.
Cathrin Bürger und Manfred Gorr zeigten am Freitag erstmalig das Stück „Achterbahn“ von Eric Assus an der Bühne 602. „Achterbahn“ zeichnet sich durch all das aus, was französische Stücke so einzigartig macht: genau gezeichnete Charaktere, einen unvorhersehbaren Handlungsaufbau und rasante Dialoge.
Bei aller Turbulenz, die der Titel verspricht, beginnt doch alles mit einem Klassiker. Der charmante Herr in den besten Jahren (Manfred Gorr) trifft eine junge attraktive Frau (Cathrin Bürger) in einer Bar. Sie lächelt, er umgarnt sie mit dem leisen Säuseln von Frank Sinatras „Strangers in the Night“. Dass er seit sechzehn Jahren verheiratet ist, verschweigt er und so fahren sie auf ein nächstes Gläschen zu ihm …
Was hier aussieht wie die sichere nächste Eroberung eines bekannten Casanovas, ist keineswegs eine so klare Sache. Schnell stellt sich heraus, dass die anfangs schüchterne Dame keineswegs das nächste junge Betthäschen abgeben wird, sondern die Zügel selbst in die Hand nehmen kann – zu seiner Überraschung.

Schon sitzt der Zuschauer mit den Protagonisten in der Berg-und-Tal-Bahn zwischen Drama und Komödie und betrachtet die sich entwickelnde Situation ständig aus neuer Perspektive. Durch die rasanten Dialoge nehmen die Akteure das Publikum mal bissig, doch viel öfter urkomisch mit in das originelle Verwirrspiel, das alle bis zum Schluss in Atem hält und sich darüber hinaus nicht scheut, intelligent mit Phrasen und Klischees zu spielen.

„Achterbahn“ ist nicht das erste gemeinsame Stück von Cathrin Bürger und Manfred Gorr. Nach ihrer gemeinsamen Arbeit an Eric-Emmanuel Schmitt's Kleine Eheverbrechen entstand die Idee für ein gemeinsames Label: die bürger & der gorr - schauspielereien. Unter diesem Namen entstanden neben „Achterbahn“ noch weitere Projekte des Schauspieler-Duos, wie etwa Zwei wie Bonnie und Clyde, eine Gaunerkomödie von Müller/Misiorny.
Ein Besuch lohnt sich für alle, die der Meinung sind, dass das Leben die besten Geschichten schreibt und auch für jeden, der Dialoge liebt, wenn sie klingen, wie aus dem Leben gegriffen. Nur besser.
Weitere Vorstellungen:- Sa 18. Mai 2013, 20:00 Uhr, Bühne 602