700 Demonstranten bei der AfD – 4.000 dagegen

Björn Höcke redet auf dem Neuen Markt in Rostock, nachdem der AfD-Aufzug seine Route wegen einer Sitzblockade abbrechen musste

22. September 2018, von
4.000 Menschen demonstrierten gegen die AfD, hier auf dem Universitätsplatz Rostock
4.000 Menschen demonstrierten gegen die AfD, hier auf dem Universitätsplatz Rostock

4.000 Menschen stellten sich heute Nachmittag einer AfD-Demo entgegen. Wie schon in den letzten Monaten in anderen Rostocker Stadtteilen hatte die Partei „Alternative für Deutschland“ diesmal vor dem Rathaus zu einer Kundgebung im Zentrum der Hansestadt aufgerufen. Nach Polizeiangaben nahmen 700 Menschen daran teil. Ihr geplanter Marsch um die Innenstadt blieb jedoch auf die August-Bebel-Straße beschränkt. Gegendemonstranten hatten den Weg am Vögenteich blockiert.

Zurück auf dem Neuen Markt kritisierte der thüringische AfD-Vorsitzende Björn Höcke, der nach dem Umzug mit einer schwarzen Limousine vorgefahren wurde, bei der Abschlusskundgebung die Blockade. Er bezeichnete die Teilnehmer der Aktion „Hinhocken gegen Höcke“ als Knallköpfe und Demokratieverächter. Während seiner etwa halbstündigen Rede protestierten Gegendemonstranten an der Nordkante des Neuen Marktes lautstark. Mit laut aufgedrehter Jazz-Musik versuchten offenbar auch Anwohner die Rede zu übertönen. Schließlich versagte das Mikrofon, sodass Höcke seine Rede mit einem Megafon beenden musste.

AfD-Demo auf dem Neuen Markt mit etwa 700 Sympathisanten
AfD-Demo auf dem Neuen Markt mit etwa 700 Sympathisanten

Neben der AfD-Demo waren fünf weitere Demonstrationen angemeldet. Die größte startete vom Doberaner Platz. Mehrere Tausend Menschen zogen mit Transparenten zum Kröpeliner Tor, über den Universitätsplatz und weiter durch den Rosengarten zum Steintor. Mobilisiert hatte ein Bündnis aus Rostock nazifrei, Rostock hilft, Bunt statt Braun, verschiedenen Parteien, Gewerkschaften und Initiativen. Auf drei Bühnen gab es musikalisches Begleitprogramm.

Parallel dazu fand in der Marienkirche eine interreligiöse Andacht mit über 800 Menschen statt, darunter viele Familien. Jüdische, christliche und muslimische Vertreter betonten die Zusammengehörigkeit und den Wunsch nach Frieden und Versöhnung.

Der Ton sei rauer geworden, stellte Manuela Schwesig in ihrem Grußwort fest. Sie unterstrich darin, dass sie sich als Ministerpräsidentin für alle Bürgerinnen und Bürger Mecklenburg-Vorpommerns verstehe. „Jeder hat das Recht seine Meinung zu sagen. Aber es gibt eine klare Grenze – dort, wo Hass, Hetze und Gewalt andere treffen.“

Die Einhaltung dieser Grenze überwachten am heutigen Demonstrationstag in Rostock insgesamt 1.250 Polizeikräfte aus Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg, Brandenburg, Niedersachen, Hessen, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg und der Bundespolizei. Mehrere Wasserwerfer standen bereit, Hubschrauber und eine Pferdestaffel waren im Einsatz.

Am Rande des Einsatzes wurden u.a. Ermittlungsverfahren wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingeleitet sowie mehrere Verstöße gegen das Versammlungsgesetz und ein mit Haftbefehl gesuchter Mann festgestellt, teilte die Rostocker Polizeiinspektion in einem ersten Fazit am Abend mit.

Bis Mitternacht hatte sie die Innenstadt komplett für den Fahrzeugverkehr gesperrt. Auch Straßenbahnen und Busse fuhren stundenlang nicht, sodass es auch in anderen Stadtteilen zu erheblichen Einschränkungen kam. Viele Einzelhandelsgeschäfte und Lebensmittelmärkte schlossen wegen der Demos bereits am frühen Nachmittag.

Die AfD hat bereits die nächsten Demonstrationen in Rostock angekündigt: am 16. November im Hansaviertel sowie am 12. Dezember in der KTV.

Fotos von der AfD-Demo und den Gegendemonstrationen in Rostock:

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