
„Wir wollen keine Moschee in Rostock,“ rief Steffen Reinicke von der AfD, die zu der Kundgebung mobilisiert hatte, und vor Ort Unterschriften für einen entsprechenden Bürgerentscheid sammelte. Sie sei sinnlos, denn Flüchtlinge würden sowieso das Land wieder verlassen. „Eine Moschee symbolisiert die Landnahme einer fremden, aggressiven Religion.“ Außerdem könne man überall beten, „wenn es ganz dringend ist, sogar auf einem Scheißhaus“, redet der AfD-Sprecher gegen eine befürchtete Islamisierung Rostocks an.

Der jetzige Gebetsraum sei absolut unwürdig. Im Winter ist er zu kalt und für weit über hundert Menschen auch viel zu klein, erläutert Pastor Tilman Jeremias. „Der Islamische Bund ist momentan nicht in der Lage das Projekt Moscheeneubau weiterzuführen. Die Gemeinde bekommt kein Geld aus Saudi-Arabien. Sie ist auf Spenden angewiesen und deshalb ist der Pachtzins, den die Stadt verlangt, momentan für sie nicht leistbar.“ Für den interreligiösen Arbeitskreis fordert der Bischof öffentlich die Stadt auf, den Pachtzins zu senken, damit die islamische Gemeinde bauen kann.
Unter die Gegendemonstration hatte sich auch Michael Stürzenberger gemischt und geriet mit ihnen aneinander, als der ehemalige Bundesvorsitzende der inzwischen aufgelösten rechtspopulistischen Kleinpartei „Die Freiheit“ erkannt wurde. Später – nach dem AfD-Umzug um ein paar Reutershäger Häuser – war er der Hauptredner, dessen Beitrag von den Gegendemonstranten lautstark mit Rufen wie „Ganz Rostock hasst die AfD“ begleitet wurde.
„Jeder konnte sein Recht auf Versammlungsfreiheit wahrnehmen“, lautete am Ende das Fazit der Polizei. Mit 600 Einsatzkräften aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg war sie im Einsatz und hatte zuvor und während der Demonstrationen Halteverbote und Vollsperrungen angeordnet.