Alte Zuckerfabrik hat Zoff mit den Nachbarn
Anwohner beschweren sich über den Veranstaltungsort in der Neubrandenburger Straße, dessen Befürworter unterstützen mit einer Onlinepetition
19. September 2013, von Stefanie
Die Alte Zuckerfabrik hat Ärger mit den Nachbarn. Denen war es wohl zu laut geworden im Umfeld des Veranstaltungsortes in der Neubrandenburger Straße. Mit einer Unterschriftenliste beschwerten sie sich bei den Behörden, bestätigt eine Mitarbeiterin des Umweltamtes, das den Fall derzeit mit Bau- und Stadtamt prüft. Seit gestern liege dem Inhaber Martin Hänler eine vorläufige Nutzungsuntersagung der Räumlichkeiten vor. Nun müsse er Hausaufgaben machen und regelmäßige Lärmschutzgutachten und andere Auflagen erfüllen, um eine neue Baugenehmigung zu bekommen. Denn das Haus hat bisher lediglich eine Genehmigung als Gaststätte und nicht als Konzerthaus.
„Wir setzen jetzt schon Maßnahmen um“, zeigt sich der Zuckerfabrikant zuversichtlich. So habe man schon einigen baulichen Aufwand auf sich genommen, um den Eingangsbereich auf die Rückseite zu verlegen. Außerdem will man Parkplatzwächter einsetzten, um Lärm und anderes unerwünschtes Verhalten zu reduzieren. „Wir versuchen Leute, die direkt betroffen sind, so geringfügig wie möglich zu belasten. Hundertprozentig lässt es sich aber nicht ausmerzen.“
Martin Hänler ist offen für Kritik. Er habe als Reaktion auf die Beschwerden einen offenen Brief geschrieben, in dem er sich entschuldigt und zu einem Gespräch eingeladen habe, das allerdings nicht angenommen wurde, erzählt er.
Hatte es in der Vergangenheit durchaus schon hin und wieder Missstimmungen gegeben, entzündete sich der Konflikt nach einer Veranstaltung im Sommer. Nach einer unerlaubten Außenbeschallung habe es massive Beschwerden und sogar einen Drohbrief gegeben. Anwohner beklagten sich über Müll, Scherben und das Eindringen auf private Grundstücke.
Eine weitere Open-Air-Veranstaltung wurde danach kurzfristig abgesagt.
Mehrere Tausend Gäste besuchen jedes Jahr die Veranstaltungen in der Alten Zuckerfabrik. Vor sieben Jahren hat Martin Hänler das damals zum großen Teil leer stehende Gebäude übernommen und zu einem Ort ausgebaut, in dem nun vor allem Konzerte, aber auch ausgelassene Tanzveranstaltungen stattfinden. Hardrock, Heavy-und Thrash-Metalkünstler wie die britische Band Ufo, die Sängerin Doro Pesch oder Sodom standen hier schon auf der Bühne. Aber auch für Punk, Hip-Hop, Hardcore und Ska-Fans wird hier Livemusik geboten.
„Rostock könnte sich keinen besseren Standort für ein Kultur- und Jugendzentrum wünschen“, betont Martin Hänler die Abgeschiedenheit der Alten Zuckerfabrik. Östlich der Oberwarnow, in einem alten Industriegebiet, leben dennoch etwa 30 Anwohner und Kleingärtner. Einigen ist der Veranstaltungsbetrieb nun zu viel geworden.
Doch auch die Befürworter der Alten Zuckerfabrik wurden mittlerweile mobilisiert. Innerhalb eines Tages unterschrieben mehr als 2000 eine Onlinepetition. 3000 will die Zuckerfabrikcrew sammeln und diese in der nächsten Woche dem Oberbürgermeister überreichen.