Auf dem Plakat der LiteraTour Nord sieht Anna Mitgutsch ein wenig so aus wie eine strenge Oberlehrerin. Doch als sie am Dienstag die Bühne der „anderen buchhandlung“ betrat, merkte man sofort, dass heute eine sehr sympathische Autorin aus ihrem aktuellen Roman vorlesen sollte. „Wenn du wiederkommst“ so der Titel des Buches, dass nach Aussage der Autorin eigentlich eine Totenklage ist, was jedoch Verlag und Agentur nicht auf dem Titel haben wollten.
Es war das erste Mal für Anna Mitgutsch in Rostock, obwohl der Inhaber der Buchhandlung, Manfred Keiper, betonte, dass sie schon längst hier gelesen haben sollte. Immerhin ist „Wenn du wiederkommst“ ihr achter Roman, mit dem sie nun an der 19. Auflage der LiteraTour Nord teilnimmt.

Die Frau beschreibt mithilfe der jüdischen Trauerrituale, wie man mit Trauer umgehen kann, aber auch wie man unter dieser Trauer leidet, was man durchmacht und auch wie andere Menschen mit dem Verlust umgehen. Die Trauerbeschreibung wird immer wieder mit Rückblicken auf die Vergangenheit gemischt, sodass ein sehr stimmiges und doch zugleich bedrückendes Gefühl beim Leser aufkommt.

Nachdem sie das Buch zugeschlagen hatte, wünschte ich mir, dass das anschließende Gespräch doch dieses Mal ausfallen würde. Es hätte sicher nicht geschadet, hätte man die Stimmung einfach so wirken lassen und dies bestätigte auch Literaturprofessor Lutz Hagestedt: „Schade, dass ich Ihnen jetzt noch Fragen stellen muss.“

Anna Mitgutsch berichtete, dass sie immer sehr viel Zeit für die Vorbereitung eines Romans braucht. Auch konnte sie die Frage einer Dame aus dem Publikum beantworten, warum das Buch denn an den jüdischen Trauerritus angelehnt sein. „Das ist ganz einfach, ich bin selbst Jüdin. Aber ich hatte beim Schreiben eine Idee: Alle Religionen beruhen auf der Idee, dass man nicht akzeptieren kann, dass ein geliebter Mensch tot ist.“
Richtig lustig wurde es dann, als Hagestedt seine Lesart des Buches präsentierte, die Anna Mitgutsch vehement verneinte: „Das haben Sie erfunden!“ konterte sie den Ausführungen Hagestedts, sodass sich ein richtiges Streitgespräch auf der Bühne entwickelt hat. Am Ende räumte der Professor ein: „Literaturwissenschaftler braucht es hier oben nicht“, und gab das Wort ans Publikum ab. Die zwei Wortmeldungen lobten noch einmal die Lesung und das Buch, was einen idealen Abschluss für den Abend darstellte.

Die letzte Lesung der Tour findet am 8. Februar wieder in der „anderen buchhandlung“ statt. Dann präsentiert Jan Faktor seinen Roman mit dem vielsagenden Titel: „Georgs Sorgen um die Vergangenheit oder im Reich des heiligen Hodensack-Bimbams von Prag”.