Das künstlerische Treiben auf dem Gelände des ehemaligen Dieselmotorenwerks erhält Kreativitätszuwachs. Sechs Künstler haben sich zusammengetan und die erste Etage in der Erich-Schlesinger-Straße 62 bezogen. Am Freitagabend fand die House-Warming-Party statt, bei der Freunde und Bekannte einen Blick in die Arbeitsräume werfen durften.

Die 33-jährige Künstlerin hat an der Hochschule in Heiligendamm und Wismar Design studiert und sich auf experimentelle Fotografie spezialisiert. „Auf Basis der Fotografie mit Doppelbelichtung und Chemie male ich sozusagen auf den Bildern. Es ist ein Zwischending zwischen Malerei und Fotografie“, erklärt Janet Zeugner ihre Methode. Im Moment beschäftigt sie hauptsächlich das Thema Erinnerung.

Ihr Debütroman ist Daniela Boltres derzeitiges Hauptprojekt. Sie hat ihn nach der rumänischen Kultspeise „Sakuska“ benannt. Die Geschichte, die sie darin erzählt, hat auch viel mit ihrer eigenen Immigrationsbiografie zu tun. „Es gibt einige kulturelle Codes, die einem begegnen, wenn man immigriert, die man entziffern lernen muss. Auch wenn man die Sprache beherrscht, kann einem trotzdem vieles entgehen“, umreißt die Autorin das Thema von „Sakuska“. Ausgangspunkt der Geschichte ist die Sprachlosigkeit der Hauptfigur zu Beginn ihrer Immigration. „Sie ist stumm. Sie kann nicht über sich und ihre Gefühle sprechen, sondern nur über ihre Erinnerungen erzählen“, verrät Daniela Boltres. Wer jetzt wissen will, ob und wie die Hauptfigur ihre Sprache wiederfindet, der muss sich noch bis zur Veröffentlichung des Buches gedulden. Einige Auszüge las die Autorin jedoch den Gästen der Einweihungsparty schon einmal vor.
Diese hatten sich dafür in dem wohl beeindruckendsten Atelier des Hauses versammelt. Ein großer heller Raum unter dem Dach, in den von oben und zwei gegenüberliegenden Seiten Tageslicht einfallen kann. Hier arbeiten der Fotograf Tim Kellner sowie die Maler und Grafiker Wanja Tolko und Tanja Zimmermann. Die beiden Herren sind aus der Rostocker Kunstschule hierhergezogen.

Einige ihrer Werke hatten die bildenden Künstler für die Eröffnungsfeier an den Wänden der Räume und Fluren ausgestellt. Auch ein Gang, der in eine größere Halle führt, wurde mit Fotoarbeiten und Malereien ausgestattet. Ob die Künstler hier schon mal ihre Fühler ausstrecken wollen, um Neuland zu erobern? Es bleibt ihnen auf jeden Fall viel Inspiration und Schaffenskraft dabei zu wünschen.