3. Baltic Future Messe 2011

Kongressmesse für Offshore-Windenergie und maritime Wirtschaft in der Ostseeregion

4. Mai 2011, von
Erwin Sellering und Jürgen Seidel informieren sich über die Baltic Future Partnerregion Südwestfinnland
Erwin Sellering und Jürgen Seidel informieren sich über die Baltic Future Partnerregion Südwestfinnland

Wie sieht die Zukunft in der Ostseeregion aus? Werden in unseren traditionsreichen Werften noch/wieder Schiffe gebaut oder doch eher Offshore-Windkraftanlagen? Werden wir im Jahr 2050 unseren Strom zu 100 Prozent aus neuen Energien gewinnen können? Das sind Fragen, denen sich Fachleute und Branchenvertreter derzeit auf der „Baltic Future“ widmen. Bereits zum dritten Mal findet diese Fachmesse in der Hansemesse in Rostock-Schmarl statt und ist vor allem ein Treffen der maritimen Wirtschaft.

Da im Schiffbau derzeit bekanntermaßen Flaute herrscht, besinnt man sich hierzulande zunehmend auf das, was schon die alten Segler angetrieben hat: die Kraft des Seewindes. So liegen vor allem in der Offshore-Windenergie viele Hoffnungen. Sie soll nicht nur deutschland- und europaweit die Menschen mit Energie versorgen, sondern hier in Mecklenburg-Vorpommern industrielle Arbeitsplätze schaffen. So habe sich die Anzahl der Beschäftigten in der Windkraftindustrie seit 2008 verdoppelt, schätzt man in der Landesregierung. Auch zukünftig gebe es noch reichlich Potenziale.

Erwin Sellering
Erwin Sellering

Die Voraussetzungen jedenfalls seien günstig. Vor zwei Monaten erst hat eine Studie dem Land gute Standortbedingungen zur Entwicklung und Produktion von Offshore-Windkraftanlagen bescheinigt. Auch die Rahmenbedingungen in der Bundespolitik haben sich mit dem Atommoratorium und dem Aufbruch hin zu erneuerbaren Energien gewandelt. Das sei so vor einem Jahr noch nicht denkbar gewesen, stellte Ministerpräsident Erwin Sellering heute bei der Eröffnung der Fachmesse fest. Er fordert, schnellstmöglich aus der Atomkraft auszusteigen und „gleichzeitig so kraftvoll wie möglich den Ausbau der Erneuerbaren Energie voranzutreiben.“

200 Milliarden Euro an Kosten hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) für den Umbau der Energiesysteme in den nächsten 10 Jahren errechnet.

Nachdem ein Konsens für eine Energiewende erreicht wurde, müsse eine Phase der besonnenen Aktivität folgen, ist Wirtschaftsminister und Baltic-Future Schirmherr Jürgen Seidel wichtig. „Die Nadelöhre sind ganz eindeutig der Netzausbau und die Speicherung“, möchte er die Defizite berücksichtigt wissen. Auch die Frage der Umlagekosten für den Ausbau der Verteilnetze sei noch nicht geklärt.

Es bleibt also noch viel zu tun. Über 700 Vertreter aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft nutzen daher die Baltic Future, um sich über die zunehmende Bedeutung der Erneuerbaren Energien als Wirtschaftsfaktor auszutauschen. 76 Aussteller präsentieren sich dafür in der 4000 qm großen Messehalle. Vor allem einheimische Firmen, aber auch Vertreter aus anderen Bundesländern stellen hier ihre innovativen Ansätze vor. Ebenfalls angereist ist eine Delegation aus Südwestfinnland, der Partnerregion der diesjährigen Baltic Future. Die Finnen setzen zukünftig noch auf einen Energiemix. Aufmerksam beobachte man aber die Entwicklungen in Deutschland. Den Spuren, die man hier festlege, wolle man später im Norden Europas hinterherlaufen, sagte Illkka Kanerva, Präsident des Regionalverbandes Südwestfinnland.

Neben den Messeständen bietet ein umfangreiches Kongressprogramm die Möglichkeit, in verschiedenen Diskussionsforen und Workshops Informationen und Anregungen zu sammeln. Darin eingebunden waren heute auch der 2. Wind Energy Tag und die Zukunftskonferenz „Erneuerbare Energien und nachhaltige Energieversorgung“.

Uni Rostock forscht an schwappenden Flüssigkeiten in Tankschiffen
Uni Rostock forscht an schwappenden Flüssigkeiten in Tankschiffen

Maritime Wirtschaft und die Offshore-Windenergie sind aber noch längst nicht alles, wenn es um die Ostsee geht, macht Meerestechniker Professor Dr. Mathias Paschen von der Universität Rostock deutlich. „Eines unserer Ziele ist es, dass wir die Ostsee als wissenschaftliche Aufgabe sehen, sowohl von den Ingenieurwissenschaften, von der Meereswissenschaft, von der ökonomischen und juristischen Seite und nicht zuletzt von der interkulturellen Seite“, so Paschen.

Die Universität ist ein wichtiger Anlaufpunkt für junge Leute, wenn es darum geht, sich für die Zukunft zu qualifizieren. Aber auch andere Firmen bilden im Bereich der maritimen Wirtschaft aus, quält hier nicht zuletzt die Sorge nach geeigneten Fachkräften. Welche Berufsbilder es hier gibt und wie die Karrierechancen stehen, darum dreht es sich morgen am letzten Tag der Baltic Future Messe.

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