

Eine neue Treppe, die von der Eingangshalle zum Rektorat führen soll, wartet noch auf ihre Stufen. Dann entspricht sie wieder dem Urzustand und ist eines der Beispiele für das Bemühen der Architekten alte Raumstrukturen zu rekonstruieren. Auch die Farbigkeit des stattlichen Gewölbes, die im 20. Jahrhundert komplett überstrichen worden war, soll der Entstehungszeit nahe kommen.
Dabei war es nicht immer einfach zu entscheiden, welche Fassung wieder hergestellt werden soll, erzählt Baukoordinator Peter Spielmann. „An der Decke im Rektorat war eine kleine Stelle, wo die Urfassung noch zu sehen war. Da wir aber nicht mehr herausbekommen konnten, wie die Bemalung insgesamt aussah, haben wir uns entschlossen, es nicht zu berücksichtigen.“ Mit ihren aufwendigen Holzschnitzereien in den Deckenbalken dürfte der Raum seiner repräsentativen Funktion dennoch gerecht werden. Wie auch das benachbarte Konzilzimmer, das um ein Drittel vergrößert wurde, um auch Zuschauern einer Sitzung Platz zu bieten.
Das größte Schmuckstück innerhalb des Hauptgebäudes dürfte jedoch die Aula werden, die nach Vorlage historischer Bilder ebenfalls in einer alten Variante wiederhergestellt wird, nur eben nach neuesten Standards hinsichtlich der Technik und des Brandschutzes. So wurden die Originaltüren ausgebaut und durch Brandschutztüren ersetzt. Zuvor wurden alle Bogen und Verzierungen ausgemessen und aufgezeichnet, berichtet Architektin Valentina Grebin und zeigt dann nach oben zur augenfälligsten Veränderung. Das Oberlicht, so wie es ursprünglich einmal die Lichtverhältnisse in diesem Raum charakterisierte, wurde wieder freigelegt. „Man ahnt nicht, dass darüber ein riesiges Werk mit Verdunkelungsanlage ist“, verrät sie und zeigt den Raum, der über dem Oberlicht ist. „Es kann nichts hindurchfallen“.

Das Hauptgebäude der Universität im Herzen der Stadt ist nicht nur das visuelle Aushängeschild der Universität, sondern auch eines der beliebtesten Motive auf Rostocks Postkarten. 1870 nach Plänen des Architekten Willebrands fertiggestellt, wurde es schon mehrmals umgebaut und saniert. Das Dach und die markante Fassade im Stil der Neorenaissance wurden zuletzt von 1991 bis 1996 saniert. Es ist bereits das dritte Gebäude an dieser Stelle, das von der Rostocker Universität, die 1419 gegründet wurde, genutzt wird.