Kommt ein Mann zum … - so oder zumindest so ähnlich beginnen viele gute Witze. Okay, schlechte natürlich auch, aber wir wollen doch nicht abschweifen, oder? Also, zurück zum Thema!
Kommt ein Mann ins Autohaus und sucht einen Viertürer mit Klima und Automatik für höchstens 10.000 Euro. Farbe egal, nur bitte nicht rot. „Ich habe da genau das Richtige für Sie“, sagt der Händler freudestrahlend und zeigt auf einen kleinen roten Zweitürer mit Schaltgetriebe, ohne Klimaanlage und einem Preis von 20.000 Euro.
So in etwa lässt sich das gestrige Bürgerforum zum aktualisierten „Funktionsplan Mittelmole“ im Kurhaus Warnemünde zusammenfassen. Zugegeben: etwas vereinfacht und ein wenig überspitzt, im Kern jedoch durchaus zutreffend, leider.
Maßvolle Bebauungsdichte und großzügige Freiflächen, maximal vier Geschosse und keine Wohnbebauung zwischen Gleisanlage und Altem Strom – so lauteten drei der zehn Eckpunkte, die die Rostocker Bürgerschaft den Stadtplanern vor gut einem Jahr ins Pflichtenheft schrieb. Präsentiert wurde von Ralph Müller, Rostocks oberstem Stadtplaner, dann allerdings eine eher kompakte Bebauung u.a. mit 36 Wohnungen zwischen Gleisen und Altem Strom und einem Quintett aus Sieben- bis Achtgeschossern im nordwestlichen Bereich der Mittelmole.

Ähnlich drastisch formulierte es Helge Bothur (Linke), Mitglied der Bürgerschaft sowie des Bau- und Planungsausschusses. In einem offenen Brief an seinen Parteifreund und Bürgerschaftspräsidenten Dr. Wolfgang Nitzsche hatte er noch am Vormittag versucht, die Durchführung des Bürgerforums zu unterbinden. Im Sinne der Bürgerbeteiligung war Nitzsche jedoch für die Veranstaltung – ob verbindliche Beschlüsse der Bürgerschaft als Prüfauftrag verstanden werden können, müssen Verwaltung und Bürgerschaft unter sich klären. Lange Rede, kurzer Sinn: Das Klima der Veranstaltung war vergiftet noch bevor sie begann.
Ein Blick zurück: Vor gut fünf Jahren begann die Bürgerbeteiligung mit einem Bürgerforum zum – noch nicht fortgeschriebenen - Strukturkonzept für Warnemünde. Nach dem Kauf des ehemaligen Scandlines-Grundstücks auf der Mittelmole durch die kommunale Wohnungsgesellschaft Wiro folgten ein Städtebaulicher Wettbewerb, nicht öffentliche Foren, ein Bürgerforum und im August 2014 zwei Planungswerkstätten zur Warnemünder Mittelmole.

- Beschränkung der Wohnnutzung auf maximal 300 Wohneinheiten, die im nordwestlichen Teil der Mittelmole anzusiedeln sind
- keine Wohnbebauung im südwestlichen Teil der Mittelmole zwischen Gleisanlage und Alter Strom
- Beschränkung der Gebäudehöhe auf der westlichen Seite auf 3, auf der östlichen Seite auf maximal 4 Geschosse
- Maßvolle Bebauungsdichte und großzügige Freiflächen
- Keine „Landmarke“ auf der Mittelmole, die die derzeitige Silhouette nachhaltig verändert
- Schaffung eines ganzjährig nutzbaren, multifunktionalen Veranstaltungsraumes für 200 Personen
- Weitgehende Beschränkung der Kreuzfahrtschiffbedingten Einzäunung der östlichen Kaikante der Mittelmole auf den südlichen Teil
- Beplanung eines weiteren Großschiffliegeplatzes im Bereich des gegebenenfalls umzugestaltenden Werftbeckens
- strikte Beachtung der Sichtbeziehungen und Sichtachsen zwischen Altem Strom und Seekanal
- Schaffung einer Seebadtypischen Gebäudeästhetik, die sich von austausch-barer „Würfelarchitektur“ (wie z.B. Molenfeuer oder Friedrich-Franz-Bahnhof) deutlich unterscheidet und die auch den Vorgaben der Energiewende und ihrer Zielvorgaben bis 2015 entspricht

Heftige Kritik ernteten die 36 am Park zwischen Gleisanlage und Altem Strom geplanten Wohnungen. Lärmbelästigung und Emissionen durch die Bahn wurden beanstandet, die zu einer ästhetisch wenig attraktiven Schallschutzbebauung und hohen Kosten/Mieten führen könnten. Auch das in diesem Bereich vorhandene Bodendenkmal „Schwedenschanze“ müsse berücksichtigt werden, warf ein Besucher ein.
Der zweite Teil beschäftigte sich mit der Nordspitze der Mole. Hier schöpften die Stadtplaner richtig aus dem Vollen und präsentierten statt einer maximal viergeschossigen Bebauung ein Quintett aus fünf sieben- bis achtgeschossigen Hochhäusern mit 60 Wohnungen als „maßvolle städtebauliche Dominante“. Im Erd- und dem ersten Obergeschoss sind Läden und Gastronomie geplant, das Gelände soll öffentlich genutzt werden. „Das Flair von Warnemünde wird dadurch erschlagen“, lautete die spontane Reaktion des Publikums. Hinzu kommt, dass auf einem Teil der geplanten Fläche die Sportschule des Landessportbundes (LSB) M-V steht. Ein Umzug wäre aus Sicht des LSB zwar durchaus möglich - nachdem Warnemünde aus der Olympiabewerbung raus ist, sind die dafür erforderlichen finanziellen Mittel jedoch in weite Ferne gerückt.

Neben kritischen Stimmen gab es durchaus auch Zustimmung zu einzelnen Punkten. Für Hans-Joachim Richert wären die Parkhäuser das kleinere Übel, wenn dafür endlich der Parksuchverkehr aus dem Ostseebad verschwindet. Andere könnten sich mit Wohnungen am Park trotz der Umweltprobleme durchaus anfreunden und einige Besucher könnten zumindest mit einer vier- bis fünfstöckigen Bebauung am Nordende der Mittelmole leben – „Hauptsache, keine Hochhäuser“.

„Es ist immer ein kompliziertes Abwägen“, resümierte Ralph Müller am Ende der Veranstaltung, „und wir haben heute versucht, diesen Abwägungsprozess weiter voranzubringen.“ Mit seiner Einschätzung, dass hinter sieben der zehn Punkte bereits ein Haken gemacht werden könne, dürfte der Chef des Stadtplanungsamtes aber ein wenig zu optimistisch sein. Es bleibt abzuwarten, wie es mit den Planungen für die Bebauung der Warnemünder Mittelmole weitergeht. Im Endeffekt muss die Bürgerschaft entscheiden und im schlimmsten Fall das Verfahren doch noch komplett kippen.
Wer sich einbringen möchte, kann unter der Adresse www.rostock.de/stadtentwicklung noch bis zum 15. Dezember 2015 an einer Online-Befragung teilnehmen oder sich per E-Mail an mittelmole@rostock.de zu den Planungen äußern.