Noch kein Platz für Wohnmobile in Warnemünde
Zufahrt, Strom- und Wasserleitung fehlen noch, damit aus der ehemaligen Mülldeponie am Warnemünder Weidenweg ein Stellplatz für Caravans entstehen kann
10. Januar 2013, von Stefanie
Dass Warnemünde ein beliebtes Reiseziel ist, ist kein Geheimnis und hat sich auch schon längst bei den Wohnmobilurlaubern herumgesprochen. Doch wer einen Platz mit Strom und Wasseranschlüssen für die Versorgung der Fahrzeuge sucht, muss bis zum Campingplatz nach Markgrafenheide fahren. In Warnemünde selbst ist Urlaub auf dem Parkplatz angesagt, entweder auf dem Parkplatz von Scandlines auf der Mittelmole, auf der Rohrmannschen Koppel vor dem Ortseingang oder bei der Jugendherberge. Weil ihr aber der Ansturm der Wohnmobilcamper dort schon zu viel wurde, stellt die Jugendherberge ihre Toiletten nur noch den eigenen Gästen zur Verfügung.
Übler Geruch und Müll werden immer mehr zu einem Problem, denn die Zahl der Caravanurlauber nimmt in Warnemünde zu, heißt es aus der Tourismuszentrale.
„100 bis 150 Wohnmobile geistern in Warnemünde jeden Tag herum und wissen nicht wohin. Das kann nicht sein“, beschreibt Ortsbeiratsvorsitzender Alexander Prechtel die Situation in der Sommersaison und hofft auf eine baldige Lösung.
Verschiedene Investoren seien bereits an ihn herangetreten, mit dem Interesse am Weidenweg einen Platz für Caravans zu bauen. Doch ein konkretes Angebot fehlt bisher, denn das 6,5 Hektar große Gelände der ehemaligen Mülldeponie ist noch nicht vollständig erschlossen.
Seit letztem Jahr gibt es zwar einen rechtskräftigen Bebauungsplan, der vorsieht, dass hier ein Wohnmobilstellplatz errichtet werden kann. Doch der Weidenweg und eine weitere Straße müssten noch ausgebaut werden. Das kostet etwa 350.000 Euro, rechnet der Leiter des städtischen Liegenschaftsamtes Andreas Adler vor. Hinzu kommen Strom- und Wasseranschlüsse sowie der Grünausgleich.
„Die Katze beißt sich in den Schwanz: Die eine Seite sagt, wir investieren hier erst in Leitungen, wenn ein Investor da ist und der Investor sagt, wir kommen erst, wenn die Leitungen da sind. Einer muss in Vorleistung gehen“, erläutert Alexander Prechtel die Situation.
Doch bisher fehlte dem Amt das nötige Geld, um in die Erschließung zu investieren, deshalb habe es von einer Vermarktung Abstand genommen, räumt Adler ein und kündigt an: „Wir wollen nach Möglichkeiten suchen, die Stadt einzubinden. Denn ohne gesicherte Erschließung wird jeder Investor dort Schwierigkeiten bekommen und sein Vorhaben nicht umsetzen können.“
Doch obwohl die rechtlichen Voraussetzungen für den Bau eines Wohnmobilplatzes am Weidenweg vorhanden sind, bleibt der Ort umstritten. „Warnemünde braucht ganz dringend einen Wohnmobilstellplatz, aber ob es den braucht, das ist die Frage. Wir befinden uns auf einer sanierten Deponie. Als die Altlasten hier abgeladen wurden, hat noch kein Mensch an Umweltschutz gedacht. Daraus eine Fläche zu machen, die man vermarkten will, das ist in meinen Augen nicht zu verantworten. Wir sollten uns darum kümmern einen anderen Standort auszuwählen“, gibt der Warnemünder Hans-Joachim Richert zu bedenken.