9. CSD in Rostock 2011

„Gleiche Liebe – gleiche Rechte!?“ Parade zum Christopher Street Day

17. Juli 2011, von
Schrill und bunt - das ist der Christopher Street Day
Schrill und bunt - das ist der Christopher Street Day

Seit der Auflehnung von Schwulen und Lesben gegen die herrschende Polizeiwillkür 1969 auf der Christopher Street (New York) hat sich einiges verändert. Homosexuelle erfahren über 40 Jahre später mehr Akzeptanz in der Gesellschaft. Doch noch immer gibt es für sie Gründe jedes Jahr im Sommer weltweit auf die Straße zu gehen. In Rostock ist es in diesem Jahr der Umstand, dass für eingetragene Lebensgemeinschaften nicht die gleichen Rechte wie für Ehen gelten. Das bezieht sich vor allem auf das Einkommenssteuer- und das Adoptionsrecht.

Manuela Schwesig fordert das Familienrecht für jede Art von Familie
Manuela Schwesig fordert das Familienrecht für jede Art von Familie

Manuela Schwesig, Sozialministerin des Landes, hat zum ersten Mal die Schirmherrschaft über den Christopher Street Day (CSD) Rostock übernommen. In ihrer Ansprache fordert sie die deutschen Regierungen auf, für mehr Toleranz und vor allem Gleichberechtigung zu sorgen.

„Das Familienrecht muss unabhängig von der sexuellen Identität eines Menschen sein“, ruft sie und erhält dafür Applaus vom Publikum am Neuen Markt. Nach dieser Eröffnungsrede kann der Mittelpunkt jedes CSDs, die Parade, beginnen. Mit fünf bunt geschmückten Wagen, lauter Musik und jeder Menge Fußvolk zieht die Demonstration durch Rostocks Innenstadt. Neben dem Politischen geht es nämlich auch noch um etwas anderes beim CSD: der Stolz auf die sexuelle Identität. Aus diesem Grund ist der Umzug meist ein buntes und schrilles Spektakel. Es gibt keinen Dresscode, von Lack und Leder bis zur Jeanshose ist beim diesjährigen CSD wie immer alles dabei.

Dennis und Wiebke - CSD-Touristen aus Schleswig-Holstein
Dennis und Wiebke - CSD-Touristen aus Schleswig-Holstein

Die beiden Schleswig-Holsteiner Dennis und Wiebke sind extra für dieses Ereignis nach Rostock gereist. „Wir tingeln dieses Jahr von CSD zu CSD“, erzähle Dennis. Er ist das erste Mal bei der Rostocker Parade dabei, Wiebke das zweite Mal. Erfahrung haben die beiden aber schon bei den CSDs in Hamburg sammeln können. Ob das „Tor zur Welt“ toleranter gegenüber Schwulen, Lesben und Transgendern ist? Sie schütteln den Kopf. „Aber man kann vielleicht sagen, dass der Norden toleranter ist als der Süden Deutschlands“, fügte Wiebke noch hinzu, bevor sie sich wieder ins Getümmel mischen.

Dass die Teilnehmer der Parade, ob homo- oder heterosexuell, sich für die Rechte von Lesben und Schwulen einsetzen wollen, ist klar. Aber wie sieht es mit den zahlreichen Zuschauern aus? Marion Rieck steht am Universitätsplatz und beobachtet den bunten Zug. Die 61-Jährige ist sehr aufgeschlossen und findet die Teilnehmer der Parade ehrlich und mutig. „Auch wenn ich kein direktes Maß habe, glaube ich, dass der CSD die Akzeptanz in Rostock vorangebracht hat. Aber wahrscheinlich hat auch der Fortschritt dazu beigetragen“, sagt die Rostockerin, die die Parade nun schon zum zweiten Mal verfolgt.

CSD Parade 2011
CSD Parade 2011

Viele Vereine, Institutionen und politische Parteien sind wie jedes Jahr beim CSD dabei und haben einen Info-Stand am Neuen Markt und/oder einen Wagen. Die Slogans, mit denen sie auf die aktuellen Probleme von Schwulen, Lesben und Transgendern aufmerksam machen wollen, ändern sich meist jedes Jahr. Zu finden sind diesmal: „Gleiche Liebe, gleichwas aufs Maul?“ oder „Fickt euch doch alle!“ Mit diesen sehr direkten Parolen soll vor allem das junge Zielpublikum erreicht werden. Denn nicht nur bei der älteren, konservativeren Generation gibt es Diskriminierung, sondern auch in der Schule oder am Arbeitsplatz.

Ausgangspunkt des diesjährigen CSD: der Neue Markt
Ausgangspunkt des diesjährigen CSD: der Neue Markt

Dem Thema „Queer im Job“ widmet sich der CSD 2011 in Lübeck („Lübeck Pride“). Er findet dieses Jahr zum zehnten Mal statt. Anlässlich dieses Jubiläums gibt es ein volles Programm, das schon Tage vor der Parade startet. Christian Till, der erste Vorsitzende des Lübecker CSD e.V. erzählt, dass es im letzten Jahr eine christliche Gegendemonstration gab. „Ich kann höchstens verstehen, wenn die Stadtreinigung gegen den CSD protestiert“, bemerkt er scherzhaft. Um zu zeigen, dass christlicher Glaube und Homosexualität sich nicht widersprechen, gibt es in diesem Jahr einen CSD-Eröffnungsgottesdienst.

Der Rostocker CSD wurde wie schon 2010 von Sonnenschein gekrönt und verlief ohne Zwischenfälle. Das sind gute Voraussetzungen für das große Jubiläum im nächsten Jahr. Wer bis dahin aber nicht warten will, kann am 23. Juli nach Lübeck oder am 06. August nach Hamburg fahren, um für die Rechte von Homosexuellen einzutreten oder einfach nur das bisher Erreichte zu feiern.

Fotos vom 9. Christopher Street Day (CSD) in Rostock 2011:

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