
Auch andere Blicke lenkt er auf sich, obwohl er nicht der einzige ungewöhnliche Anblick auf der Straße ist. Es ist Christopher Street Day (CSD) in Rostock. Da wird die Vielfalt der körperlichen, insbesondere sexuellen Vorlieben, die privat ausgelebt werden, offen auf der Straße angedeutet. Obwohl die Rostocker CSD-Parade wohl eher zu den moderaten gehören dürfte, haben sich einige Demonstranten bewusst freundlich provokant, mit viel Freude und frivolem Augenzwinkern gestylt. Einige sind extra dafür aus den Szenehochburgen Hamburg und Berlin angereist.
Mitglieder der Grünen haben sich wieder in ihre Schweinekostüme, die auch gern bei Demos gegen Massentierhaltung zum Einsatz kommen, geworfen und das Schild „Schwule Sau?“ um den Hals gehängt. Lederfetisch, Dragqueens oder eben Freikörperkultur werden den Zuschauern in ihrer ganzen Buntheit zugemutet. Lautstarke Techno- und Schlagermusik sorgen für ausgelassene Stimmung, als sich die Party-Demo oder Demo-Party auf ihrem Weg durch die Einkaufsstraße in Rostocks Innenstadt schiebt. Viele „Unauffällige“ haben sich dazu gesellt und lassen so den mehrere hundert Menschen starken Umzug zu einem unübersehbaren Statement für Vielfalt werden.
So wie die drei Freundinnen und CSD Stammgäste Nadine, Christin und Yvonne. „Man muss doch auch ein bisschen was für Lesben, für Schwule und für Bisexuelle tun. Ohne sie wären wir heute nicht so, wie wir sind,“ sagen die jungen Frauen, die den an diesem Tag verbreiteten Slogan „100% Queen!“ tragen. 100 Prozent, so ihre Forderung, sollte es auch bei den Rechten für Ehe und Adoptionsrecht für alle Menschen geben.

Denn „Familie ist … Vielfalt“, so das diesjährige Motto der CSD-Parade. Ausschlaggebend für die Wahl des Mottos sei die fortwährende Benachteiligung im Adoptionsrecht für Paare in Eingetragenen Lebenspartnerschaften gewesen, so die Veranstalter vom CSD Rostock e.V.. Obwohl es mittlerweile zwar die Adoption von Stiefkindern zulässt, ist eine volle Adoption bisher nicht erlaubt, was insbesondere für männliche Paare die Gründung einer Familie nahezu unmöglich macht. Immerhin haben in den letzten beiden Jahren zehn lesbische Paare in Rostock erfolgreich eine Stiefkindadoption abgeschlossen.
In Rostock gebe es verschiedene Erfahrungen, fasst Hannes Möller vom Organisationsteam, aktuelle Gespräche aus dem den CSD begleitenden Programm zusammen. „Einige erzählen, dass das Jugendamt schon komisch guckt. Man bekommt Fragen gestellt, die für die Betroffenen sehr schwer sind, weil es sehr stark die Sexualität angeht. Auf der Straße wird man schief angeschaut, wenn zwei Frauen oder zwei Männer den Kinderwagen schieben. Aber es wird besser.“
„Wir haben keine Probleme und sind eine völlig normale Familie“, sagt die 30-jährige Franziska aus Rostock. Sie und ihre Partnerin sind Mütter von drei Kindern. Die Väter sind Bekannte. „Es ist nicht ausversehen passiert.“Fotos vom CSD 2013 in Rostock:

Christopher Street Day 2013 in Rostock 
wummernd zieht die Parade am CSD durch Rostocks Innenstadt 
Landesfamilienministerin Manuela Schwesig auf dem SPD-Wagen 
Der Christopher Street Day erinnert an den ersten Aufstand Homosexueller in der New Yorker Christopher Street 1969, in dessen Folge es zu Straßenschlachten mit der Polizei kam. 
In vielen Ländern ist der CSD ein Fest- und Demonstrationstag von Schwulen, Lesben, Bisexuellen und Transgendern, die sich für Gleichberechtigung und gegen Diskriminierung aussprechen. 
Franziska mit ihrer Familie 
Die Freundinngen Nadine, Christin, Yvonne nehmen schon das sechste Mal am Rostocker CSD teil. 
Puhh, mit High Heels die ganze Strecke durch die Innenstadt 
Auch die neuesten homophoben Entwicklungen in Russland beunruhigen die hiesige Community. 
Morph Suits befreien von vielen aber doch nicht von allen Geschlechtsmerkmalen. 
Mr Leatherman wird von der Leder-Fetisch-Szene angehimmelt. 
Der nackte Mann auf der belebten Einkaufsstraße ist im Zug des CSD nicht der einzige Hingucker. 
Glückliches Pärchen 
Paradiesvögel 
Regenbogenfahne als Symbol der Vielfalt und Toleranz 
Neben LGTB-Vereinen aus Rostock und Stralsund beteiligen sich auch traditionell viele Parteien am CSD. In diesem Jahr waren die SPD, die Linken, die Grünen, die FDP und die Piraten dabei. 
Demonstranten zeigen Solidarität mit Homosexuellen in Russland, wo der offene Umgang mit Homosexualität kürzlich durch eine Verschärfung der Gesetze eingeschränkt wurde. 
Thumbs up 
Travestie