
Fast jeder deutsche Jugendliche ist in einem der zahlreichen Internetnetzwerke registriert. Bei Facebook, StudiVZ & Co. lassen sich schnell Kontakte knüpfen, man kann in Interessengemeinschaften eintreten und so mit der ganzen Welt (oder wenigstens ganz Deutschland) kommunizieren. Dass hierbei auch eine Menge ungeahnter Gefahren lauern, wissen die meisten Kinder und Jugendlichen gar nicht, die sich auf diesen Seiten registrieren. Zur Aufklärung und Diskussionsrunde lud das Europäische Integrationszentrum Rostock e.V. am 28.01.2010 ins Peter-Weiss-Haus ein.

Der erste Referent des Abends war Stephan Chudowski, der mit seiner Firma das Internetnetzwerk MV-Spion betreibt. Die Seite wirbt mit hoher Sicherheit und Benutzerfreundlichkeit für seine User, laut Chudowski ist dort jeder zweite Jugendliche in Mecklenburg-Vorpommern zwischen 14 und 25 Jahren registriert. Doch bei so vielen Mitgliedern erhöht sich auch die Gefahr für Missbrauch und schwarze Schafe, weswegen auf Sicherheit besonders viel Wert gelegt werden muss.
Die Sicherheitsmaßnahmen bei MV-Spion sind vielseitig und gut durchdacht. Durch verschlüsselte Nutzerdaten, Captchas (Sicherheitscodes) und Spam-Schutz sind die User vor Angriffen von außen geschützt. Die manuelle Fotokontrolle, flexible Privatsphäreoptionen und die Meldefunktion auf Profilen soll die Gefahr von innen minimieren. So weit, so gut.
Die Rechtsanwältin Gesa Stückmann weist allerdings noch auf eine ganz andere Gefahr hin. 2007 hatte sie einen Fall betreut, in dem zwei Geschwister unwissentlich monatelang über die Internetplattform SchülerVZ von Mitschülern fertig gemacht wurden, erst später durch Zufall davon lasen und daraufhin so eingeschüchtert waren, dass sie nicht mehr zur Schule gehen wollten. Doch diese Geschichte ist längst kein Einzelfall. 2006 gab es den ersten bekannten Selbstmord wegen Internet-Mobbing, jährlich folgten weitere. Seit einigen Jahren hält Gesa Stückmann an Schulen und Elternabenden Vorträge über diese Problematik und dabei gäbe es in jeder Klasse ein solches Mobbing-Opfer.

Besonders problematisch ist parallel dazu die Entwicklung, dass ein Großteil der Jugendlichen das Internet massiv zur Selbstdarstellung nutzt und bei der Veröffentlichung persönlicher Daten keine Hemmungen oder Bedenken hat. Dabei haben nicht unbedingt die Außenseiter das Bedürfnis aufzufallen, sondern vor allem die, die auch im normalen Leben oft im Mittelpunkt stehen. Fotos von der letzten Party oder mit wenig Bekleidung werden bedenkenlos zur Kommentierung veröffentlicht, über den eigenen Status wird zu jeder Tageszeit Twitter-like detailliert berichtet, der vollständige Name sowie Messenger-Adressen stehen sowieso auf jedem Profil.

Über die Tastatur sind schnell Dinge geschrieben, die man sich im richtigen Leben lieber zweimal überlegen würde und die der „Gesprächspartner“ im Internet ohne Mimik und Gestik auch oftmals falsch auffassen kann. Hinzu kommt, dass die Eltern ihre Kinder während ihrer Aktivitäten im Internet nicht kontrollieren können und diese so auf sich allein gestellt sind.
Nach diesem spannenden lebensnahen Vortrag ging ich selbst mit einem ganz anderen und ziemlich mulmigen Gefühl ins Internet. Meine einzigen Netzwerke sind StudiVZ (31 Freunde), SchülerVZ (32 Freunde) und Wer Kennt Wen (8 Freunde). Seit neuestem mit minimalen Informationen und maximaler Privatsphäre.