Rettet-Betty-Demo für Erhalt der alten Orthopädie
Demonstranten wollen Abriss des Elisabethheims in der KTV verhindern
30. September 2017, von Stefanie
Das Schicksal des Elisabethheims rief heute über 70 Menschen zur Rettet-Betty-Demo auf die Straße. Das seit Jahren leerstehende Gebäude in der Ulmenstraße 45 in der KTV soll abgerissen werden. Hier will das Studentenwerk eine große Mensa und Studentenwohnungen neu bauen. Dagegen regt sich nun Widerstand. Eine Ende Mai gestartete Online-Petition, die sich für den Erhalt des Gebäudes ausspricht, wurde mehr als 1200 Mal unterzeichnet. Am letzten Samstag wurde das als baufällig geltende Haus öffentlichkeitswirksam besetzt. Die Besetzer forderten nicht nur die Sanierung der Alten Orthopädie, sondern schlugen auch gleich eine alternative Nutzung als soziokulturellen Treffpunkt vor, nicht zuletzt als Beitrag gegen die als zunehmend empfundene Gentrifizierung des bei Studenten beliebten Stadtteils.
Die heutige Demo brachte die unterschiedlichen Initiativen, die gegen einen Abriss des 110 Jahre alten Gebäudes eintreten, zusammen auf die Straße. Gemeinsam zogen sie von der St.-Georg-Straße, wo das Studentenwerk seinen Sitz hat, über den Neuen Markt, durch die Innenstadt und in die Kröpeliner-Tor-Vorstadt bis zum Elisabethheim.
„Es ist schön, dass sichtbar wird, dass sich nicht nur drei oder vier einzelne Leute für den Erhalt des Gebäudes einsetzen“, sagt Hannes Rother vom Verschönerungsverein. Er weist auf die Bedeutung der über 100 Jahre alte Rotbuchen auf dem Gelände hin, die durch die Bauaktivitäten in Mitleidenschaft gezogen werden könnten. „Sie sind mit aller Wahrscheinlichkeit die ältesten Buchen der KTV.“

Für Florian Mohler kommt bei dem Bauprojekt des Studentwerks die soziale Frage zu kurz. Der 17-Jährige wünscht sich bezahlbare Mieten in Rostock. Das Elisabethheim im Herzen der KTV könnte Platz für alternative Wohnformen bieten.
„Der Ortsbeirat hat sich dazu bekannt, dass es einen Mensaneubau in der Nähe des Ulmencampus geben sollte. Wir sehen auch die Notwendigkeit studentisches Wohnen zu bauen. Wir können jedoch nicht nachvollziehen, warum es nur an diesem Standort gehen sollte“, fasst dessen Vorsitzende Anette Niemeyer zusammen. Der Ortsbeirat der Kröpeliner-Tor-Vorstand hatte den Bauantrag, der den Abriss vorsah, abgelehnt und einen eigenen Denkmalantrag für das Ensemble Ulmenstraße 44/45 und den dazugehörigen Park gestellt. Bisher gilt das Haus mit seiner langen sozialen und medizinischen Geschichte nicht als schutzwürdig. Die Antwort vom Land steht noch aus.
„Das Engagement für den Erhalt der Betty zeigt für mich, dass die Stadt solche Orte braucht, wo Geschichte auch erfahr- und begreifbar wird, weil nur das Identifikation schafft“, zeigt sich Anette Niemeyer gerade von den jungen Leuten beeindruckt. Umso enttäuschter sei sie, dass dies von politischen Verantwortlichen der Stadt nicht wahrgenommen werde. Stattdessen werde das Problem dem Studentenwerk zugeschoben, obwohl dies eigentlich eine stadtplanerische Aufgabe sei. Als schwierig betrachtet Matthias Siems vom Ortsbeirat die Rolle des Studentenwerkes als Bauherr, das eigentlich für den Betrieb von Mensen und Studentenwohnheimen zuständig sei. Anfragen an das für Bauprojekte von Landeseinrichtungen verantwortliche BBL blieben nach seinen Aussagen unbeantwortet.
Auch der Gestaltungsbeirat sprach sich bereits in seiner Märzsitzung in einem nichtöffentlichen Teil für den Erhalt des Elisabethheimes aus. Jedoch sei für die geplante Nutzung als Mensa und Studentenwohnheim das Grundstück nicht groß genug.