Ein italienischer Flüchtling, gesucht wegen Mordes, schleift einen über seinen Kopf reichenden Koffer hinter sich her; zieht und zerrt ihn über ein brückenähnliches, schwarz-weißes Gebilde. Als er ihn endlich an Ort und Stelle hat - der Schweiß perlt schon von seiner Stirn - taucht aus dem Nichts ein Lockenkopf auf, klopft auf den über ihre Köpfe reichenden Koffer und plötzlich ist der Raum von Musik erfüllt. In anmutigen Bewegungen tanzen die beiden Männer um den Koffer herum. Das Gesicht des Flüchtlings von Verwunderung und Mühen gezeichnet.
Diese Szene ist aus dem neuen Tanztheater „Der Diener zweier Herren“, in welcher der Lockenkopf genannt Truffaldino (Josef Dvořák) bei seinem zweiten Herren Florindo (Krzysztof Gradzki) anheuert.
Eine schwierige Herausforderung nicht nur für die acht Tänzer der Komödie, sondern auch für den Choreografen und Regisseur Bronislav Roznos. Denn ohne Dialoge muss es verständlich sein, dass Beatrice (Linda Kuhn) in die Rolle ihres toten Bruders Federico Rasponi schlüpft, um die abgesprochene Hochzeit mit der Tochter des Panthalone (Marath Rakhimov) zu feiern.
Die Emotionen, die Atmosphäre und vor allem der Witz des Lustspiels müssen auch ohne Sprache spürbar sein. Vor allem, wenn der Tod geglaubte Federico Rasponi in arroganter Anmut die Brücke herunterschwebt und damit die Verlobungsfeier Silvios (Enkhzorig Narmandakh) und Rosauras (Chika Kaneko) sprengt. „Man muss sehen, was ihr denkt!“, weist Bronislav Roznos seine Tänzer bei der öffentlichen Probe am Dienstag an. Liebe, Intrigen und Machtkämpfe weiß das Ensemble jedoch in schwungvollen Pirouetten, eleganten Hebefiguren und erschrockenen bis fröhlichen Gesichtern darzustellen.

Ein guter Zauber für das Volkstheater Rostock. Seit letztem Sommer ist Bronislav Roznos am Volkstheater engagiert und überzeugte schon durch seine Tanzinszenierung der „Frida Carlo“. „Die Besucherzahlen haben sich seit dem Stilwechsel verdoppelt“, führt Bernd Hobe auf. Es scheint zu gefallen, was Roznos auf die Bühne bringt. Und auch sein neues Tanztheater verspricht eine Mischung aus modernem Tanz, traditionsreichen Kostümen und jeder Menge Humor mitzubringen, welche den Zuschauer schon vom ersten Ton in atemloses Staunen versetzt.