
Ursprünglich wurden Diplom- oder Intendantenvorspiele in den Schauspielschulen eingeführt, um Werbung für die künftigen Absolventen zu machen. Intendanten von verschiedenen Häusern sollten eingeladen werden, um neue Talente für ihr jeweiliges Ensemble gewinnen zu können. Doch in Zeiten, in denen immer mehr Kulturgelder gekürzt werden, hat sich das Prozedere etwas geändert.

So war der gestrige Abend vor allem für die Schauspielklasse und ihre Dozenten eine Abschlusskür. Jeder durfte noch mal in verschiedene Figuren schlüpfen und sich dem zahlreich vertretenen Publikum in verschiedenen Rollen präsentieren. Gleichzeitig wurden die Männer und Frauen aber auch in die Kartei der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) aufgenommen. Die Aufnahme in den von der Bundesagentur für Arbeit verwalteten, größten Künstlerpool Deutschlands ist gerade in der Anfangszeit eine große Hilfe bei der Suche nach Anstellungen.
Äußerst optimistisch zeigte sich Esther Zschieschow. Sie betreute die Studenten als Mentorin vom Beginn ihrer Ausbildung und war gestern sehr zufrieden mit ihrer Leistung. „Sie sind alle noch mal so richtig über sich hinausgewachsen“, schwärmte die Dozentin. Der Schwerpunkt im Studium habe eindeutig auf der Bühne gelegen. Zwar gab es auch einzelne Filmkurse, zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Institut für Neue Medien, doch sei das nur eine Randerscheinung gewesen. Dass die jetzigen Absolventen jedoch am Volkstheater bleiben, ist unwahrscheinlich. „Die Zusammenarbeit ist zwar gut, aber im Moment gibt es einfach keine Vakanzen“, so Esther Zschieschow.

Torsten Flassig hatte bereits vor dem Diplomvorspiel eine Zusage aus Ingolstadt und die Einladung zum Vorsprechen nach Wien. „Das ist schon super, da kann man viel freier und lockerer in so eine Vorführung gehen“, erzählt der 25-Jährige. Wo es hingehen wird, habe er aber noch nicht entschieden, da auch er erst einmal das Gruppenvorspiel abwarten will. Zukunftsängste hat er jedoch nicht: „In den letzten Jahren sind wir von der HMT immer irgendwo untergekommen.“
Bleibt zu hoffen, dass er recht hat. Und vielleicht sieht man den einen oder die andere doch irgendwann mal auf der Bühne des Volkstheaters wieder. Bis dahin wünschen wir alles Gute.