Drinnen = Draußen. Textfest im Peter-Weiss-Haus
Die Rostocker Literaturzeitschrift „Weisz auf Schwarz“ feiert die junge Literatur
24. Juli 2010, von Stefanie
„Texte sind Fixpunkte, an denen man sich orientieren kann“, meinte Steffen Dürre von der Rostocker Literaturzeitschrift „Weisz auf Schwarz“ (WAS) am Freitagabend im Peter-Weiss-Haus.
Da wir ohne sie vermutlich noch viel mehr durchs Leben irren würden, ist es also nahe liegend, diese Wegweiser auch einmal zu ehren und zu feiern. Wohl deshalb luden die Macher der WAS und das Literaturhaus Rostock zu einem Textfest ein.

Es trug den Titel „Drinnen=Draußen“, denn es ging den Organisatoren insbesondere darum, „Gegensätze im selben Raum zu präsentieren“. Von Anfang an sah sich dann auch das Publikum mit Gegensätzen konfrontiert.
Ein eher enttäuschender dürfte wohl die „spürbar anwesende Abwesenheit“ des frisch gekürten Ingeborg-Bachmann-Preisträgers Peter Wawerzinek gewesen sein, der für diesen Abend angekündigt war. Er war auf dem Weg von seinem Urlaubsort nach Rostock irgendwo „draußen“ stecken geblieben.

Im Gegensatz zu Peter Wawerzinek hatte Tom Bresemann rechtzeitig den Weg von seinem Ferienort nach Rostock gefunden. Mit seinen Gedichten, die er im nächsten Jahr auch in einem Buch veröffentlichen will, eröffnete er das Textfest.

Dass man nicht unbedingt physisch anwesend sein muss, um bei der Veranstaltung in Rostock zu lesen, bewies Selim Özdogan.
Dank moderner Skype-Technik gelang es ihm von Köln aus live mit dem Publikum im Peter-Weiss-Haus in Kontakt zu treten. Er las aus seinem Märchen „Die Prinzessin auf der Suche“ vor. Es passte thematisch ausgesprochen gut zum Abend, da es auch von Verbundenheit und Orientierung erzählte.

Weitere Höhepunkte beim Textfest „Drinnen=Draußen“ waren die narrativen und lyrischen Sprachkunstwerke von Oliver Kluck, Ron Winkler und Philipp Günzel, die von den Zuhörern mit viel Beifall honoriert wurden.

„Den Abend seines Lebens“ hatte nach eigener Einschätzung wohl der Pianist Lukas Rauchstein. Er trat bereits im Autorenvideoporträt von Peter Wawerzinek als Musiker auf, welches beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb gezeigt wurde.
Nun wollte er die Abwesenheit des Autors nutzen, um „aus dem Schatten des großen Dichters“ herauszutreten. Mit seinen gewitzten Liedern sorgte er für einen musikalischen Abschluss des Textfestes.

Bei einer After-Show-Party konnten die Gäste anschließend mit den Autoren ins Gespräch kommen oder schon einmal in der neuesten Auflage der Literaturzeitschrift „Weisz auf Schwarz“ schmökern.
Das Textfest fand in diesem Sommer bereits zum zweiten Mal statt. Angesichts der überwältigenden Resonanz dürfen sich die Fans von live-vorgetragener Literatur wohl auch im nächsten Jahr wieder über eine Neuauflage freuen, kündigt Mitinitiator Steffen Dürre nach der Veranstaltung zufrieden an.