Neues Hörsaalgebäude der Uni Rostock eingeweiht
Arno-Esch-Hörsaalgebäude bietet Platz für 550 Studenten – Lehrpersonal fehlt noch
9. Dezember 2011, von Stefanie
Kleine Kritzeleien befinden sich schon auf den hellen Holzmöbeln des neuen Hörsaalgebäudes auf dem Universitätscampus in der Ulmenstraße. Studierende Fußballfans haben hier erste Benutzungsspuren hinterlassen. Seit Anfang November finden in den beiden Hörsälen Vorlesungen statt. Heute wurde das neue Gebäude nun feierlich eingeweiht.
Bildungs- und Wissenschaftsminister Mathias Brodkorb überreichte dazu den symbolischen Schlüssel an Rektor Professor Dr. Wolfgang Schareck. Beim Besuch seiner ehemaligen Hochschule deutete Brodkorb auch die Möglichkeit für weitere Neubauten, etwa einer Bibliothek, auf diesem Campus an. Nachdem Anfang dieser Woche die Gespräche zwischen Bildungs- und Finanzministerium abgeschlossen wurden, stehe den Hochschulen mehr Geld zur Verfügung. „Es wird jedenfalls nicht weniger werden als bisher geplant. Es wird vielleicht sogar überraschen wie viel mehr“, so die nebulöse Aussage des Ministers, für die er vom Auditorium kräftigen Beifall erhielt.

4,1 Millionen Euro betrugen die Kosten für den Neubau, der mit Mitteln des Konjunkturprogramms der Bundesregierung finanziert werden konnte und dessen Bau im Frühjahr 2010 begann.
„Jetzt haben wir drei große Hörsäle auf diesem Uni-Campus. Das war unbedingt nötig. Denn die Raumkapazität besonders an der Philosophischen Fakultät ist begrenzt“, sagt Sarah Grote, Vorsitzende des Allgemeinen Studierenden Ausschusses (AStA). Allerdings fehle weiterhin Lehrpersonal, so die 25-jährige Studentin weiter.

Für 550 Studenten bieten die beiden neuen barrierefreien Hörsäle Platz. Ausgestattet mit modernsten Präsentationsgeräten, großen Projektionsflächen, klassischer grüner Kreidetafel, Mikrofonen und ausgeklügelten Beleuchtungsarrangements werden hier vor allem Vorlesungen der juristischen, philosophischen sowie der wirtschafts- und sozialwissenschaftlichen Fakultät gehalten.
Mit dem 2004 fertiggestellten Audimax ist das neue Hörsaalgebäude durch die Strom- und Wasserversorgung, aber auch offensichtlich durch die Dachkonstruktion verbunden. Beide bilden so den östlichen Abschluss des Campus Ulmenstraße.
In der architektonischen Gestaltung gleicht es dem größten Hörsaal der Rostocker Universität so sehr, dass der Rektor sogar vorschlug, das neue Gebäude ganze im Sinne Wilhelm Buschs Audimoritz zu nennen, wie Professor Schareck heute schmunzelnd erzählte. Aber er konnte sich damit nicht durchsetzen (nicht zuletzt, weil der Name die Studenten zu sehr an Greifswald erinnerte). Stattdessen trägt das neue Hörsaalgebäude nun den Namen des ehemaligen Rostocker Studenten Arno Esch.

Geboren 1928 hatte Arno Esch als junger Marinehelfer den Krieg miterlebt und wurde aufgrund dieser Erfahrungen zum Pazifisten. Ab 1946 studierte er Rechtswissenschaften an der Universität. Rechtsstaatlichkeit sei ihm ein wichtiges Anliegen gewesen. Offen trat der außerordentlich begabte junge Mann für seine liberalen Überzeugungen ein. „Er bezog sich auf den Humanismus. Er betonte den Individualismus und Föderalismus und stand damit den vorherrschenden Konzepten von Kollektiv und Zentralstaat der SED entgegen“, skizzierte Dr. Peter Möller, Vorsitzender des Verbandes ehemaliger Rostocker Studenten, die Persönlichkeit Arno Eschs.
In Eschs Plan eine radikale soziale Freiheitspartei zu gründen, sieht Möller den Schlüssel für die weiteren Vorgänge, die bis heute nicht aufgeklärt werden konnten. Fest steht jedoch, dass Esch im Oktober 1949 verhaftet und in drei Gerichtsverfahren wegen angeblicher Spionage und Bildung einer konterrevolutionären Organisation von einem sowjetischen Militärtribunal zum Tode verurteilt wurde. Er wurde nach Moskau gebracht und dort am 24. Juli 1951 mit 23 Jahren erschossen.
Bisher erinnerte im Hauptgebäude eine Gedenktafel an das Schicksal von Arno Esch. Heute wurde sie anlässlich der Namensgebung im Foyer des neuen „Arno-Esch-Hörsaals“ enthüllt.
Mit einem anschließenden Kulturprogramm aus Theater, Film und Livemusik testeten die Studenten weitere Nutzungsmöglichkeiten ihres neuen Hörsaalgebäudes aus.