Jetzt, wo die Anzahl der Traditionsschiffe im Stadthafen wieder überschaubar geworden und die Reizüberflutung der Hanse Sail vorbei ist, gibt es eine besondere Chance, einmal tiefer in maritime Themen einzusteigen. Und das in mehrfacher Hinsicht: Zum einen kann man natürlich jederzeit in den Eisbrecher „Stephan Jantzen” steigen und sich durch das 45 Jahre alte Schiff führen lassen.
Zum anderen kann man dort auch interessanten Vorträgen lauschen und so in die Welt der Seefahrt „einsteigen”. Beides lohnt sich und bringt ganz unterschiedliche Facetten zutage. Bei einer Führung kann man erleben, wie es gewesen sein muss, auf dem größten deutschen Eisbrecher seinen Dienst zu verrichten. Das Schiff, in Leningrad gebaut, wurde 1968 in Dienst gestellt und war 37 Jahre aktiv - erst in Rostock, dann in Stralsund. 2009 wurde es unter großen Anstrengungen des eigens gegründeten gemeinnützigen Vereins „Interessengemeinschaft Eisbrecher Stephan Jantzen e. V.” zuerst nach Warnemünde und schließlich in den Stadthafen geholt.

Beim Gang durch das Schiff gelangt man früher oder später in den eindrucksvollen Maschinenraum. Drei große, jeweils 2.200 PS starke dieselelektrische Aggregate schlummern hier, die normalerweise die Propeller (zwei am Heck, einer am Bug) antreiben.

Mein Fachwissen hält sich zwar in sehr, sehr überschaubaren Grenzen. Die Erläuterungen des Ingenieurs, der immer noch auf einem Gastanker zur See fährt, rufen aber lebhafte Bilder hervor, wie es gewesen sein muss, diese Maschinerie intakt zu halten. Er durfte dies schon als Lehrling und kennt daher (fast) jede Schraube der Stephan Jantzen.

Dieses Mal geht es - passend zu meiner Maschinenraumbesichtigung - um die Besonderheiten dieser Motorenart. Ganz klar etwas für Technikbegeisterte, ist der Vortragende doch Maschinenbauprofessor. Bei den Verbrauchszahlen – 180 Gramm Diesel und drei Gramm Öl pro PS und Stunde – wundert sich aber nicht nur der Fachmann, da staunt auch der Laie.

Ein in Japan aufgewachsener und auch schon unter amerikanischer Flagge gefahrener Fregattenkapitän, der nun mit der deutschen Marine unterwegs ist, wird sicherlich eine interessante Perspektive auf die erste Flugzeugträgerschlacht der Geschichte bieten können. Und über Tauschgeschäfte der Marke „Fisch gegen Kokosnüsse” in Afrika und Kuba kann der ehemalige Hochseefischer Horst Seffner, der selbst 15 Jahre dort verbracht hat, sicherlich am besten berichten.
Mit solch interessanten Themen werden bestimmt noch einige Gäste den Weg auf dieses Stück deutscher Seefahrtsgeschichte finden, die 40 ehrenamtlichen Mitarbeiter freuen sich in jedem Fall, ihre Erfahrungen zu teilen.